Ein Reiseblogger am Fjord in Norwegen

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Ausschau halten nach dem nächsten Outdoor-Abenteuer. Timo Peters von Bruderleichtfuss.com ist für so ziemlich alles zu haben, was mit Reisen, frischer Luft und sportlichem Einsatz zu tun hat. Je abenteuerlicher, desto besser. Hier plaudert er ausgiebig über seine Erfahrungen als Reiseblogger, wie man über’s Meer trampen kann und was es mit der Fjordchallenge auf sich hat.

Timo Peters – über’s Reisen, Schreiben und Bloggen

Timo und ich haben einige Gemeinsamkeiten: wir haben beide Lehramt studiert, arbeiten heute als freie Schreiber, sind Reiseblogger und teilen die Begeisterung für’s Reisen, für Outdoor-Aktivitäten und die nordischen Länder. Das ist auch der Grund, warum aus der ursprünglichen Idee, ein kurzes Interview über Bruderleichtfuss.com zu machen, dann doch ein ausführlicher Chat geworden ist, der sich über mehrere Wochen erstreckt hat.

Zu meiner Freude war Timo in richtiger Plauderlaune und er hat ausgiebig erzählt: über seine Anfänge als Reiseblogger und wie sich die Art des Reisens und damit auch sein Blog mit den Jahren verändert hat. Nach Jahren des dauerhaften Reisens lebt er mittlerweile an einem Fjord in Norwegen und geniesst die sesshafte Zeit, bevor es wieder los geht zu seinem nächsten Reisetrip.

In unserem Chat ging es zwischendrin auch darum, wann die beste Jahreszeit zum Holzhacken ist, wie robust eigentlich Outdoor-Hosen sein müssen, mit welchen technischen Problemen wir uns beim Bloggen gerade herumschlagen und wann es im Sommer endlich mal klappt, dass ich ihn in Norwegen besuchen kann. Parallel zum Chat haben wir unser „Interview“ quasi mitlaufen lassen. Du findest es zusammengefasst hier – viel Spaß beim Lesen:

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Du hast ursprünglich Lehramt studiert, arbeitest heute aber als freier Schreiber. Wie kam’s dazu?

Es gibt ja so einige Leute, die im echten Leben nicht den Job haben, den sie sich mit Anfang 20 noch vorgestellt hatten. Mir hat das Studium zwar Spaß gemacht, aber ich habe nie ein Refrendariat gemacht. Stattdessen ging ich erstmal reisen und fing parallel mit dem Schreiben darüber an. Das entwickelte sich ganz gut, so dass ich dann einfach dabei blieb. Am Lehrerjob hätte mir die Arbeit mit Kindern auf jeden Fall Spaß gemacht.

Weniger hätte ich das starre System und das Warten auf die Sommerferien genossen. Ich merke in meinem Freelancer-Leben auch immer wieder, wie sehr ich meine persönliche Freiheit genieße. Ich arbeite, wie es mir passt: Manchmal Tag und Nacht und dann eine Woche, in der ich gerade mal so meine Mails checke. Das gefällt mir und wäre mit einem Job im öffentlichen Dienst oder gar als Bemter wohl weniger vereinbar gewesen.

In welche Länder hat es dich zunächst gezogen und hast du da schon deinen Blog gestartet, um über deine Reisen zu schreiben?

Ich bin dann erstmal aufgebrochen zu einer Tour per Anhalter durch Mitteleuropa. Polen, Tschechien, die Slovakei, Österreich und ein bisschen Deutschland. Anschließend ein größerer Trip nach Südamerika, Peru und Ecuador. Ich bin damals, ganz langsam, angefangen zu bloggen. Erst per Mailverteiler an meine Freunde, anschließend auf meinem ersten Blog. Der existiert aber schon lange niccht mehr und die Texte sind auch größtenteils verschollen. Ich denke aber, sie hätten eh nur noch persönlichen Wert, ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das damals sehr lesenswert war – zumindest nicht für Leute, die mich nicht persönlich kennen..

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Der klassische Weg vieler Blogger – erstmal für Freunde schreiben und später wird ein Einkommen daraus. Du hast dann den Journalismus für dich entdeckt – auch über den klassischen Weg der Tageszeitung?

Entdeckt hatte ich den schon viel früher, allerdings auf dem oberklassischen Weg: Schülerpraktikum in der lokalen Tageszeitung. Anschließend hatte ich noch ein weiteres journalistisches Praktikum gemacht. Der Gedanke an die Schreiberei als Beruf war also schon länger da, aber es fehlte noch viel für den finalen Entschluss. Als Student habe ich auch immer mal wieder Texte veröffentlicht. Das war zwar lange Zeit noch ziemlich halbherzig und sehr unregelmäßig – erleichterte mir später aber den „richtigen“ Einstieg.

Ab wann ging’s dann richtig los mit bruderleichtfuss.com, mit dem regelmäßigen Bloggen?

Die Domain habe ich mir 2012 besorgt und dann einen „richtigen“ Blog eingerichtet. Dann ging erst erst mal viel ums Trampen – das habe ich in der Zeit echt viel gemacht. Richtig rund ging es dann Ende desselben Jahres, als ich zu meinem Trip per Anhalter über den Atlantik aufgebrochen bin. Da sprangen plötzlich große Zeitungen und Zeitschriften drauf an und das Projekt bekam eine Menge Aufmerksamkeit. So fanden auch eine Menge Leser ihren Weg auf meinen Blog und ich merkte zum ersten Mal, dass man mit so einer kleinen Website richtig viele Leute erreichen kann. Das fand ich dann spannend – bis heute.

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Würdest du sagen, dass damit der Grundstein gelegt war für den heutige Arbeit als freiberuflicher Blogger und Schreiber?

Ja, das Bloggen ist schon ein ganz wichtiger Teil meiner Arbeit. Einen kleinen Teil meines Einkommens erwirtschafte ich direkt über den Blog. Noch wichtiger ist aber, dass ich über bruderleichtfuss.com extrem viele Kontakte gesammelt habe, über die ich immer wieder an Schreibaufträge herankomme. Der Blog ist auch einfach ein gutes Aushängeschild für meine Arbeit. Die Redaktionen bekommen einen ziemlich guten Einblick über meinen Schreibstil und über die Themen, mit denen ich mich auskenne – das ist glaube ich für beide Seiten echt viel Wert.

Haben sich die Themen und Reiseziele, über die du schreibst, mit der Zeit verändert? In welche Richtung hat sich dein Blog entwickelt?

Einiges hat sich schon verändert, so wie ich im Laufe der Jahre natürlich auch nicht einfach gleich geblieben bin. 2012 kam ich gerade aus der Uni, hatte weder Geld noch Verpflichtungen und war deshalb sehr unabhängig und immer sehr spontan unterwegs. Ich habe einfach geschaut, wo ich per Anhalter hinkomme und dort habe ich dann bei Couchsurfern oder im Hosteldorm geschlafen.

Das mache ich zwar alles noch immer, aber nicht mehr ausschließlich und andere Dinge sind dazu gekommen. Schließlich bin ich mittlerweile über 30, habe einen mehr oder weniger ernstzunehmenden Job und lebe in einer Beziehung. Da nehme ich mir dann schonmal eine Ferienwohnung oder ein Doppelzimmer. Und ich schaffe es sogar immer öfter, meine Reisen zumindest ein paar Wochen im Vorraus zu planen…

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Dazu kommt natürlich mein neuer Fokus: Ich bin kein Dauerreisender mehr, sondern habe wieder ein richtiges Zuhause. Das befindet sich an der Fjordküste Norwegens. Klar, dass ich jetzt auch viel darüber schreibe – schließlich ist Norwegen für mich wirklich eines der schönsten Länder auf der Welt und ich kenne mich auch jeden Tag besser aus hier.

Erfreulicherweise gibt es dadurch jetzt tolle Norwegen-Artikel von dir. Thema Norwegen: du bist der Gründer der „Fjordchallenge“! Für diejenigen, die sie noch nicht kennen – um was geht’s da?

Als ich auf meinem Blog von meinem neuen Zuhause erzählte, bekam ich unglaublich viele Nachrichten. Alle mit dem Tenor: „Toll, toll, toll! Und: Kann man dich da besuchen kommen?“. So entstand dann die Idee einer Art Leserreise für bruderleichtfuss.com-Fans in mein kleines Dorf am Fjord. Es gibt hier echt genug zu erleben: Gleich bei der ersten Fjordchallenge haben wir Inselhopping mit Fahrrädern gemacht, eine Zweitages-Wanderung und einen Segeltörn. Wir waren mit Kajaks auf dem Fjord unterwegs und am Ende gabs ein Grillfest mit selbst gefangenem Fisch.

Mir hat die Organisation und Vorbereitung Spaß gemacht. Und ich habe endlich mal ein paar meiner Leser „im echten Leben“ kennen gelernt. Richtig coole Leute mit Bock auf Abenteuer, das kann ich dir sagen! Deshalb habe ich die Fjordchallenge auch schon einige Male wiederholt. Gerade im Moment denke ich darüber nach, obs in diesem Jahr auch wieder eine geben wird und wann es bei mir reinpassen könnte…

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Hört sich nach einem ziemlich coolen Abenteuer an. Nicht weniger abenteurerlich scheint mir „Hand gegen Koje“ zu sein, worüber du schreibst. Kannst du kurz erklären wie’s funktioniert?

Hand-gegen-Koje“ ist ein ziemlich cooles Prinzip: Kapitäne von Segelbooten können an Bord meistens echt gut Hilfe gebrauchen. Also einfach eine zusätzliche Hand. An Bord eines Segelbootes gibt es gerade auf längeren Fahrten echt viel zu tun: Kochen, Putzen, Wache gehen und noch viel mehr Dinge. Wer komplett alleine Segelt – ein „Einhandsegler“ – hat auf See echt ein stressiges Leben. Allein der Ausguck – es gibt zwar allerlei technische Hilfsmittel, aber Einhandsegler auf einer Atlantiküberquerung schlafen nie länger als eine halbe Stunde am Stück.

Viele Bootseigner haben keine Lust auf diesen Stress und suchen deshalb nach einem Matrosen. Sie brauchen eine „Hand“ und bieten im Gegenzug eine „Koje“. Es ist, je nach Reisestil und persönlicher Situation des Skippers, extrem unterschiedlich, wie man als Mitsegler helfen kann: Die Familie mit Kindern wünscht sich einen Lehrer für die Kinder, der alte Seemann wünscht sich jemanden, der Guitarre spielen und kochen kann. So gibt es auch für Leute, die mit Segeln bisher noch nichts am Hut hatten, auf einigen Strecken ganz gute Chancen auf eine Koje.

Du hast erzählt wie sich die Themen im Blog verändert haben, weil du heute anders lebst und reist. Hat sich auch die Arbeit für den Blog im Hinblick auf Kooperationen und Social Media verändert?

So richtig viel hat sich eigentlich nicht verändert. Vielleicht auffällig: Als ich anfing, über Reisen zu schreiben und zu bloggen, war ich Kooperationen und Presse- und Bloggerreisen sehr aufgeschlossen. Umsonst auf Reisen gehen ist doch super, dachte ich damals. Das hat sich gedreht: Mittlerweile habe ich verstanden, dass man auf solchen Reisen wirklich wenig Einfluss darauf hat, was man unternimmt und sieht. Deshalb bin ich da ziemlich anspruchsvoll geworden und lehne im Grunde so gut wie jede Anfrage ab.

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Solche Anfragen gibt es natürlich heute viel mehr als vor einigen Jahren. Aber sie passen oft nicht so gut zu mir und meinen Lesern – zumindest aus meiner Sicht. Meine letzte Bloggerreise ist schon fast zwei Jahre her und die war dann auch ziemlich individuell auf mich zugeschnitten. Für mich wurde im Laufe der Zeit Social Media immer unwichtiger. Ich werde nun auch über Google ganz gut gefunden und bin deshalb nicht mehr so abhängig von Facebook und Co. Deshalb bin ich dort nur noch, wenn ich Bock darauf habe – und nicht mehr, weil ich das Gefühl habe, „mal wieder irgendwas posten“ zu müssen.

Du bist beim Bloggen, wenn es um Kooperationen geht, lieber frei und entscheidest gerne selbst. Dieser „Freiheitsdrang“ zieht sich auch durch deine Blog-Artikel. Wo kommt der eigentlich her?

Tja, meinen Freiheitsdrang beschreibst du ja schon ganz gut. Wenn ich wüsste, woher der kommt! Manchmal steht er mir jedenfalls auch im Weg, weil ich viele Dinge einfach nicht mitmache. Aber immerhin hat er auch dazu geführt, dass ich sozusagen gezwungen war, mir meinen Traumjob selbst zu schneidern – das ist dann doch eigentlich auch sehr cool.

Ein Lieblingsthema von dir sind Outdoor-Aktivitäten. Da hast du einiges ausprobiert – welches sind deine Favoriten?

Ich stehe eigentlich auf alles, was man draußen machen kann. Seit ich in Norwegen bin, steht da Wandern an erster Stelle. Einfach, weil es hier so einfach möglich ist: Wanderrouten gibt es einfach ohne Ende und eine ist schöner als die Andere. Ich kann direkt vor meiner Haustür aufbrechen und bin in fünf Minuten in einer Wildnis, wie es sie in Deutschland eigentlich gar nicht mehr gibt. Ich gehe aber auch viel mehr Angeln, habe ein kleines Ruderboot mit einem kleinen Außenborder, den ich gerne wieder fit bekommen würde, und der Fjord ist ja direkt vor meiner Tür.

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In den letzten paar Wintern habe ich mich ans Skifahren heran getastet, als Ostfriese vom platten Land ist mir das nicht in die Wiege gelegt. Das war eher das Windsurfen, was ich hier oben leider nicht mehr so viel mache. Statt dessen spare ich gerade auf ein Seekajak mit Ausrüstung. Leider ist das alles nicht so ganz billig, so dass ich mir bislang meist alles gemietet habe – aber da habe ich auf jeden Fall Lunte gerochen!

Und dann gibt es ja auch noch das Segeln. Da habe ich coolerweise einen Nachbarn, auf dessen Yacht ich mehrmals im Jahr für einige Tage hier an der Fjordküste unterwegs bin. Ich finde es glaube ich einfach gut, mich in der Natur zu bewegen – welche Aktivität es dann genau ist, ist dann fast zweitrangig…

Und welche Reiseziele und Outdoor-Aktivvitäten stehen demnächst ganz oben auf der To-do-Liste?

In dieses Jahr steht bei mir wieder ganz im Zeichen der Berge. Auf jeden Fall geht es im Sommer nach Österreich, wo ich vor fast zehn Jahren zum letzen Mal war – die Alpen kenne ich irgendwie viel zu wenig.
Im Winter soll es dann mal ein Land in Afrika werden, wahrscheinlich Tansania – aber das steht noch nicht zu hundert Prozent.
Zuhause in Norwegen nehme ich im Spätsommer die Gletscher in Angriff. Ich möchte mit meiner Freundin einen Kurs machen, damit wir individuell eine Seilschaft bilden können. Außerdem will ich mit meinem norwegischen Segelkumpel wieder viel hier in den Fjorden segeln. Wir reden gerade davon, vielleicht einmal rüber nach Shetland zu setzen – mal gucken, ob das klappt. Auf jeden Fall wirds wieder spannend!

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Alle Fotos: © Timo Peters

Den Reiseblog Bruderleichtfuss.com findest du hier sowie bei Facebook und Instagram. Die Abenteuerguides von Timo gibt’s hier. Weitere Artikel zu Norwegen findest du hier: Farmarbeit in Norwegen, Work and Travel planenFernwandern in Norwegen.

 

Heiko Müller

Heiko Müller

Ich bin Redakteur, Reiseblogger und Gründer von People Abroad. Verreist du auch so gerne wie ich? Dann haben wir mindestens eine Gemeinsamkeit. Was ich am liebsten unterwegs mache? Mich auf neue Orte, Menschen und Kulturen einlassen. Laufen und biken. Fotografieren, schreiben und hier bloggen. Hinterlasse einen Kommentar oder kontaktiere mich unter info@people-abroad.de.
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