Auswandern nach Dänemark: My Copenhagen

Auswandern nach Dänemark Kopenhagen Erfahrungen Tipps

Nach Kopenhagen bin ich gezogen, weil ich hier im Fach Astronomie forschen kann. An einer Universität, die Jahrhunderte zuvor Tycho Brahe ausgebildet hatte, einen der bedeutendsten Astronomen aller Zeiten. Hier schreibe ich über mein Auswandern nach Dänemark und meine ersten Monate in Kopenhagen.

Auswandern nach Dänemark – mein Start in Kopenhagen

Es war im Mai des vergangenen Jahres, dass ich das erste Mal nach Kopenhagen kam. Für drei Tage, ein Vorstellungsgespräch. Als ich dreißig Euro am Flughafen in Dänische Kronen tauschte, schaute mich die Dame hinter dem Tresen einen Moment merkwürdig an und fragte mich dann, ob ich wirklich nur diesen Betrag wechseln will. In Kopenhagen bekommt man dafür gerade einmal vier Cappuccino, sagte sie mir.

Das war natürlich ein wenig übertrieben – auch wenn der Eindruck, den sie vermittelte, schon stimmt. Doch sie hatte nicht erwähnt, dass Kopenhagen allmählich zu einer Stadt ohne Bargeld geworden ist. Egal was und wo man etwas kauft, es besteht immer die Möglichkeit der Kartenzahlung. Mehr noch: an vielen Orten wird man verwundert angeschaut, wenn man mit Bargeld bezahlt.

Kopenhagen und die Jahreszeiten

Seit November vergangenen Jahres wohne ich in dieser Stadt und ich habe ein Sache herausgefunden: Auch wenn man nicht reist, wenn man das ganze Jahr über verwurzelt in Kopenhagen bleibt, man wird verschiedene Städte kennenlernen, die sich zügig mit den Jahreszeiten ändern. Sich dessen bewusst, haben sich die Bewohner auf die Gegebenheiten eingestellt.

Im Winter ist es draußen meist windig, nass und unfreundlich und so richtet man sich in der Geborgenheit der Häuser umso gemütlicher ein. Im Frühling blüht die Stadt in jedem Sinne auf: Wo man hinblickt gibt es Grünflächen und Parks, rosa blühende Bäume oder am Wegrand angelegte Blumenbeete mit Tulpen und Osterglocken.

Auswandern nach Dänemark Kopenhagen Erfahrungen Tipps

Doch auch die Bevölkerung blüht in dieser Zeit irgendwie auf. Bei den Menschen sieht man eine Freundlichkeit in den Gesichtern, die Cafés stellen ihre Tische auf die Straße und wie Eidechsen bevölkern die Einwohner bei jeder Gelegenheit die entspannenden Orte nahe der künstlich angelegten Seen.

Wird es mal so heiß, dass man es in der Stadt nicht mehr aushält, was – fragt man einen Dänen – bereits bei 25 Grad passieren kann, so fährt man mit dem Rad zu einem der etwas außerhalb gelegenen Strände und genießt das Meer. Bei meinem ersten Besuch am Strand “Bellevue” hatte ich unweigerlich das Gefühl im Urlaub zu sein. Irgendwo an der spanischen Küste und nicht in Skandinavien.

I want to ride my bicycle

Nach Ansicht der meisten Kopenhagener gibt es nur ein Mittel der Fortbewegung: das Fahrrad! Ob es schneit oder regnet, stürmt oder blitzt, die Radfahrer sind dem Wetter trotzig. Die Stadt kommt ihnen entgegen – nie habe ich es so komfortabel empfunden durch eine Stadt zu fahren, die Radwege sind wie kleine Highways, zweispurig und beidseitig der Straße sind sie nahezu breiter als diese.

Immer wieder mal sieht man zwischen den Rennrädern, Mountainbikes und Damenrädern auch mal ein sogenanntes “Christiania-Fahrrad”, das ursprünglich zur Warenbeförderung eine Truhe auf zwei Vorderrädern transportiert, welche heute meist als Sitz für Kinder oder Erwachsene dient.

Auswandern nach Dänemark Kopenhagen Erfahrungen Tipps

Der Name dieses Fahrrads stammt von einem Stadtteil Kopenhagens, dem Freistaat Christiania. Dieser ist ein weltweit wohl einzigartiger Ort, ein einzigartiges Projekt. Als in den 70er Jahren mitten in Kopenhagen eine ehemalige Militärfläche plötzlich leer stand, wurde diese von Aktivisten besetzt und der Freistaat Christiania als unabhängiger Staat deklariert. Geht man durch ein Tor in einer Mauer, so betritt man also theoretisch einen anderen „Staat“.

Was anfangs als abgeschiedener Ort gedacht war, an dem Menschen ihre Freiheit in Abwesenheit der staatlichen Gesetze und gesellschaftlichen Normen friedlich ausleben können, ist heute eher geprägt von Drogen und oberflächlichem Tourismus. Ich fand es beeindruckend, dass dieser Freistaat jedoch nicht nur eine Art „Scherz“ ist, sondern tatsächlich Drogendealer hier ohne Deckung oder Vorsichtsmaßnahme ihre Güter den ganzen Tag über auf der Straße anbieten.

Christiania: Kunst & Hippies

Geht man jedoch ein bisschen abseits, so sieht man die wahre Schönheit Christianias, die kleinen gemütlichen Schilfstrände, an die die zurückgezogeneren Bewohner ihre kreativen und gleichsam spartanischen Häuser gebaut haben. Und auch die Kultur Christianias verliert bei genauerem Betrachten ihre Oberflächlichkeit. Einige Bewohner organisieren bildende Kunst und kulturelle Veranstaltungen, die meist große Popularität genießen.

Sehr prominent darunter ist die Vortragsreihe “Science & Cocktail”, bei welcher namenhafte internationale Wissenschaftler auftreten und ihr meist komplexes Spezialgebiet einer allgemeinen Zuschauerschaft näher bringen. Auf eine Weise, dass man es selbst nach dem zweiten Mojito noch versteht.

Kopenhagen Erfahrungen Tipps

Kopenhagen wurde durch seine Offenheit und den hohen Lebensstandards in den letzten Jahren sehr beliebt bei Menschen, die hier eine neue, vielleicht bessere Zukunft beginnen wollen. Auch durch die alternative Szene und die gute Bildungsstruktur bei Studenten, die es von den ländlichen Regionen vermehrt in die Hauptstadt zieht und durch die beachtlichen Gehälter bei Arbeitnehmern aus aller Welt.

Auf der einen Seite erschwert diese immense Nachfrage die Suche nach einer geeigneten und vor allem auch bezahlbaren Wohnung. Auf der anderen Seite hat die Stadt dadurch ein internationales Flair.

Übrigens: Meine siebzigjährige Vermieterin selbst ist Finnin, spricht mehrere Sprachen und arbeitete lange als Touristenführerin auf einem der Boote, die Besuchern die Stadt auf dem Wasserweg zeigen. Für sie gibt es keine bessere Stadt als Kopenhagen. Eine Metropole, welche die traditionelle Bodenständigkeit eines nordischen Hafens und den modernen Gedanken einer Weltstadt miteinander vereint.

Auswandern nach Dänemark – meine 5 Kopenhagen-Tipps:

– unbedingt die Stadt auf dem Fahrrad erkunden
– die Natur des nahegelegenen Parks Dyrehave bei einem Spaziergang genießen
– ein Besuch des Museums Louisiana für Moderne Kunst
– die Strände Bellevue und Charlottenlund an einem sonnigen Tag besuchen
– den Tag an den Seen im Zentrum ausklingen lassen

Ina vom Reiseblog „Genussbummler“ hat einen ausführlichen Artikel zur Hauptstadt Dänemarks geschrieben, diesen findest du hier: Kopenhagen – Alles Wissenswerte für deinen Städtetrip

Weitere Artikel über Reiseregionen in Europa mit Infos & Tipps für die Reiseplanung findest du hier: Urlaubsziele Europa: Regionen & Reisetipps

Auswandern nach Dänemark Kopenhagen Erfahrungen Tipps

Alle Fotos: Arianna Picotti & Philipp Weber

Du hast noch mehr Lust auf Skandinavien? Dann lies hier den Artikel über Jan Ritter, der sein Work & Travel in Norwegen plant. Falls du weitere Tipps zum Auswandern nach Dänemark hast, freuen wir uns über deine Nachricht. Entweder hier als Kommentar oder an info@people-abroad.de.

Kopenhagen Tipps von einem Auswanderer #Kopenhagen #Tipps #Dänemark #Skandinavien

Philipp Weber

Ich habe Astronomie studiert, reise gerne in Europa, Asien und Südamerika und freue mich vor allem auf meinen Reisen neue Kulturen kennenzulernen. Aufgewachsen bin ich in Süddeutschland, lebe aber inzwischen in Kopenhagen. Hier schreibe ich über meine Erlebnisse als Backpacker unterwegs. Kontakt: p.weber@people-abroad.de
Philipp Weber

4 Antworten zu “Auswandern nach Dänemark: My Copenhagen

  1. Jöri Antworten

    Hey Philipp,

    toller Bericht! 🙂 Solltest du nochmal in Dänemark sein, empfehle ich dir Juelsminde, dort kommen vor allem Backpacker auf ihre Kosten. Günstige Unterbringung und kleine Hafenstadt.

    LG
    Jöri

    1. Heiko Müller Antworten

      Hallo Jöri,

      da wird sich Philipp freuen – und danke für deinen Tipp! 😉

      Viele Grüße
      Heiko

  2. […] du hier. Du magst nordische Städte? Dann findest du hier den Bericht von Philipp, der nach Kope... https://www.people-abroad.de/blog/island-entdecken-mit-dem-mietwagen
  3. […] magst nordische Städte? Dann findest du hier den Bericht von Philipp, der nach Kopenhagen ausge... https://www.people-abroad.de/blog/reykjavik-tipps-sehenswuerdigkeiten

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