Roadtrip durchs Outback

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Vor zwei Jahren sind Denny und Sarah mit dem Working Holiday Visum in der Tasche in Perth in Australien gelandet. Heute, fast genau zwei Jahre später, sind sie wieder in Perth, nachdem sie mit dem Auto fast das gesamte Land bereist haben. Dabei haben sie viel erlebt und der Weg war oft staubig oder steinig, denn sie sind meist abseits der Highways auf Pisten gefahren.

Denny und Sarah on the road…

Unser allererster Roadtrip durchs Outback ging von Perth, der Hauptstadt Westaustraliens, nach Kununurra, ein kleiner Ort im Nordwesten Westaustraliens, an der Grenze zum Northern Territory. 3.100 km liegen die beiden Städte auseinander, man kann den gesamten Weg über den Highway zurück legen wenn man das möchte. Da wir aber alle Sehenswürdigkeiten auf dem Weg sehen wollten, z.B. die Pinnacles, Shark Bay und die Nationalparks Kalbarri und Karijini, haben wir den größten Teil zunächst auf dem asphaltierten Highway zurückgelegt, der recht nah am Meer entlang verläuft. Richtiges Outbackfeeling kommt da noch nicht wirklich auf, da in regelmäßigen Abständen kleinere und größere Örtchen durchfahren werden, und auch entgegenkommende Autos sind keine Besonderheit.

Karijini Nationalpark

Das erste Mal wirklich abgelegen und weit weg von allem haben wir uns gefühlt im Karijini Nationalpark, obwohl auch da natürlich viele andere Reisende unterwegs sind, da dieser Nationalpark als Highlight der Westküste gilt. In Reiseführern wird geraten, nur mit einem 4×4 (Allrad) fähigen Fahrzeug und mit hoher Bodenfreiheit in den Karijini Nationalpark zu fahren. Zwar ist die Zufahrtsstraße keine Allradstrecke, wie man es denken könnte, aber stellenweise wird aus der Schotterpiste eher eine Waschbrettpiste. Wir wurden schon in unserem Toyota Hilux durchgeschüttelt, in einem Van oder normalem PKW könnte es also erst recht ungemütlich werden. Abgesehen von den Achsen und von anderen Teilen, die man sich dabei leicht kaputt machen kann. Man sollte sich also auf jeden Fall an die Angaben halten.

Wir hatten leider wenig Zeit, haben nur eine Nacht Im Karijini verbracht und uns nur eine Schlucht angesehen, für die sich das frühe Aufstehen aber total gelohnt hat – man sollte am besten so früh wie möglich los gehen, ansonsten wird es zu heiß und sehr anstrengend beim Wandern. Für uns ging es ungefähr zur Mittagszeit schon wieder weiter und im Nachhinein ist es ein bisschen schade, das wir nicht mehr Zeit eingeplant hatten.

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Auch die Strecke aus dem Karijini Nationalpark in Richtung Port Hedland ist eine ziemliche Schüttelpartie. Außerdem hatten wir ein bisschen Angst um unsere Reifen, weil die Strecke aus vielen kleinen Steinchen besteht. Kurz vor Port Hedland bemerkten wir dann, dass die Schaltung nicht mehr funktionierte. Von jetzt auf gleich konnte Denny in keinen Gang mehr schalten. Wir, als totale Nullen in Sachen Autos, haben natürlich gleich etwas Panik geschoben. Glücklicherweise haben wir es bis in die Stadt geschafft und dort vor der Touristeninfo angehalten. Vielleicht müssen wir ja erst mal das Auto abkühlen lassen, es ist ja schließlich ganz schön heiß heute, dachten wir und schauten uns kurz in dem Vistor Centre um.

Panne in Port Hedland

Nach einiger Zeit öffneten wir die Motorhaube, ohne zu wissen, wonach wir nun eigentlich gucken müssen. Wahrscheinlich hat man die großen Fragezeichen über unseren Köpfen gesehen, denn ein Mann aus dem Auto neben uns stieg aus und fragte, was das Problem sei. Wir erklärten es und er versuchte kurzerhand herauszufinden was es sein könnte. Eins muss man den Australiern lassen: Sie wissen meistens, was zu tun ist oder zumindest was das Problem ist, wenn man eine Autopanne hat, vor allem die, die irgendwo in der Abgeschiedenheit des Outbacks leben, so wie hier in Port Hedland. Er fand dann heraus, dass die Kupplungsflüssigkeit leer ist und wir sie einfach nachfüllen müssen. Wir waren erleichtert, wir hatten sogar eine Flasche mit dieser Flüssigkeit im Auto und konnten dann unseren Weg fortsetzen.

Wildcampen

Glücklich fuhren wir weiter, es war schon relativ spät und wir wollten nur noch auf einen Campingplatz in der Nähe, um dort zu schlafen. Nach wenigen Kilometern allerdings fiel die Kupplung wieder aus und wir standen vor dem gleichen Problem wie vorher. Wir hatten also irgendwo ein Leck und nachfüllen bringt nicht wirklich etwas – weit würden wir jedenfalls nicht kommen. Uns blieb nichts anderes übrig, als irgendwo am Straßenrand stehen zu bleiben, vor einer Reihe Häuser, und die Nacht dort zu verbringen, in der Hoffnung, dass die Polizei uns keine fette Strafe fürs „Wildcampen“ aufdrückt.

Am nächsten Tag liefen wir zur nächsten Werkstatt. Unser Auto wurde abgeschleppt und wir mussten ein paar Tage warten, bis das Ersatzteil, was wir brauchten, in Port Hedland ankommen war. Wir konnten es kaum erwarten weiter fahren zu können, denn in dieser Stadt herrscht tote Hose, vor allem wenn man kein Transportmittel hat.

Auf der Gibb River Road

Das Auto war fertig und wir fuhren von Port Hedland nach Broome und verbrachten ein paar total entspannte Tage auf einem Campingplatz direkt am Meer. Wir hatten genug gefaulenzt und füllten unsere Vorräte an Essen und Trinken auf und das nächste Abenteuer konnte beginnen – die Gibb River Road. Es ist immer ratsam vorher in den Touristeninformationen nach den Straßenzuständen zu fragen, gerade zu der Zeit als wir da waren. Im April, also kurz nach der Regenzeit, kann es doch mal sein, dass die Straßen noch gesperrt sind. In unserem Fall war die Strecke im Gesamten geöffnet – dies kann sich das aber auch schnell von einen auf den anderen Tag ändern, wenn es regnet. Noch eine Info für alle, die noch nie von der Gibb River Road gehört haben: Es handelt sich hierbei um eine über 1.000 km lange, unbefestigte Straße mit einigen Flussdurchquerungen (je nach Jahreszeit) und vielen Abzweigungen zu interessanten Sehenswürdigkeiten wie Schluchten, Wasserfälle, Wasserlöcher usw.

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Nachdem wir nochmal voll getankt und auch die beiden Ersatzkanister gefüllt hatten, ging es los. Wir sahen uns den Prison Tree an, ein riesiger Baum, der innen hohl ist und der früher als Gefängniszelle für eine Nacht gedient hat, und machten einen Abstecher zu Windjana Gorge und Tunnel Creek. Diese Sehenswürdigkeiten sind am Beginn der Road, wobei man zu den letzten beiden schon ein Stück von der Hauptroute abfahren muss. Beides ist empfehlenswert, wir haben sogar ein paar Süßwasserkrokodile in der Windjana Gorge gesehen. So ziemlich alle anderen Sehenswürdigkeiten waren zu dieser Zeit leider noch nicht freigegeben, sodass ab da quasi der Weg unser Ziel war.

Ab durch den Fluss

Die Nacht verbrachten wir an dem Roadhouse, ungefähr auf der Hälfte der Strecke, und am nächsten Morgen mussten wir unseren ersten Fluss durchqueren. Der Untergrund war sandig und das Wasser ziemlich tief, wir trauten uns erst nicht so recht, vor allem da wir noch keine Erfahrung damit hatten. Dann dachten wir, Augen zu und durch und fuhren los. Auf der Hälfte der Flusses ungefähr bockte auf einmal das Auto und ging aus. Schnell schaltete Denny es wieder an und wir schafften es zum Glück auf die andere Seite.

Wir fuhren dahin und bestaunten die Landschaft, die von Boabbäumen und trockenem Gras und Büschen geprägt ist. Ab und zu begegnet man einer Kuh und auch andere Autos kommen einem ab und zu entgegen, allerdings sind es mehr Kühe als Menschen, die man während der gesamten Strecke zu sehen bekommt. Wir hatten schon lange aufgehört die zerplatzten Reifen und verrosteten Autos am Straßenrand zu zählen, als Denny plötzlich anhielt, weil ihm das Fahrverhalten des Autos komisch vorkam. Er stieg aus, um die Reifen zu checken und sah: beide Hinterreifen waren platt!

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Mit einem Reifen wären wir noch zurecht gekommen, wir hatten schließlich ein Ersatzrad dabei. Das Problem war aber, dass wir nicht wussten, wie wir an den Reifen herankommen, denn der hängt bei vielen Allradautos in Australien unter dem Auto. Wir hatten uns das vorher nicht zeigen lassen und nun standen wir da. Zu allem Überfluss mussten wir auch noch feststellen, dass wir kein Reifenwechselzeug dabei hatten. Das hatten wir vorher nicht gecheckt, weil wir davon ausgegangen sind, dass dies der Vorbesitzer irgendwo im Auto verstaut hat. Ziemlich naiv im Nachhinein. Was also tun bei unserem verrückten Roadtrip durchs Outback?

In einer Aboriginie-Gemeinde

Ein paar Kilometern vor der Panne kamen wir an einer Aboriginie-Gemeinde vorbei und das war nun unsere einzige Lösung. Wir fuhren ganz langsam das Stück zurück und kamen auch fast bis dorthin, als einer der Hinterreifen platzte. Wir konnten die Häuser schon sehen und beschlossen, das letzte Stück zu laufen. Bei der Gemeinde angekommen sahen wir, dass die Tankstelle, die auch im Reiseführer ausgeschrieben war, schon seit längerer Zeit geschlossen war, und dass es für die Gemeinde selbst ein „Zutrittsverbot“ für Fremde gab. Wir hatten aber keine andere Wahl und gingen zu einer Galerie. Uns war etwas mulmig zu Mute.

Nach kurzer Zeit kam ein Ehepaar und fragte uns, was los sei. Wir erklärten unsere Lage und während der Mann gleich anfing ein Ersatzrad für uns zu suchen, rief die Frau bei der nächstgelegenen Werkstatt an – die natürlich ein paar hundert Kilometer entfernt lag – und fragte, ob wir dort Hilfe bekommen könnten. Da es schon spät am Tag war, kam der Werkstattbesitzer nicht rausgefahren, aber er bot uns an, bei ihm vorbeizukommen. Die Werkstatt liegt direkt an der Gibb River Road und somit auf dem Weg. Nachdem dies geklärt war, kam auch der Mann zurück. Er hatte tatsächlich einen Reifen für uns aufgetrieben. Wir stiegen alle zusammen in ihren Landcruiser und fuhren zurück zu unserem Auto. Wir erklärten, dass wir weder Werkzeug noch Ahnung hatten, um an das Ersatzrad zu kommen und so wechselte tatsächlich der Mann beide Reifen für uns und zeigte uns, dass man an den Ersatzreifen mit einer Art Kurbel kommt, die man durch ein spezielles Loch unterhalb der Kofferraumklappe einführen muss.

Kleines Rad…

Es stellte sich heraus, dass das Ersatzrad viel kleiner war als die anderen Räder. Das sah komisch aus, aber eine andere Wahl hatten wir ja nicht. Zum Dank wollten wir unseren beiden Helfern Geld geben. Am liebsten hätten sie gerne ein bisschen Gras zum Rauchen von uns gehabt – das konnten wir ihnen aber leider nicht bieten. Wir gaben ihnen 50 Dollar und durften sogar das Radkreuz behalten.

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Unser nächstes Ziel war die Reifenwerkstatt und wir kamen zum Glück auch ohne weitere Probleme dort an. Wir konnten das eine Rad flicken lassen, das andere, welches total zerstört war, ließen wir dort zurück. Außerdem kauften wir einen Wagenheber und unsere Ausrüstung war nun komplett. Das ganze war mitten im Outback natürlich viel teurer als in einer Stadt, aber was sollten wir machen.

Asphalt in Sicht

Am darauf folgenden Tag sollten wir voraussichtlich wieder Asphalt erreichen. Doch es waren noch viele Kilometer bis dahin. Denny hielt an, weil er den Eindruck hatte, dass das Auto komisch fährt. Ich dachte noch, „Bitte nicht schon wieder…“, aber tatsächlich hatten wir erneut einen Platten. Diesmal war es das kleine Rad, aber wir waren entspannter als beim ersten Mal, denn nun wussten wir, was man bei einer Panne machen muss und der Reifen war schnell gewechselt. Wir fuhren weiter und wussten, das jetzt nichts mehr schiefgehen darf, denn wir hatten nun keinen Reifen mehr zum Wechseln. Und die berühmte Überquerung des Pentecoast Rivers war noch zu bewältigen. Glücklicherweise verlief die Überquerung sowie der Rest der Strecke problemlos und wir waren total froh, dann endlich wieder eine befestigte Straße unter den Rädern zu haben.

Abgeschlossen haben wir unseren Trip auf der Gibb River Road auf einem Platz nahe einer Highway-Kreuzung auf dem Weg zwischen Kununurra und Wyndham. Nachts hörten wir Dingos heule und der Himmel war voller Sterne. Das war ein toller Abschluss für unseren ersten Trip durchs Outback.

Kurztrip Duncan Road

Die Zeit nach unserem Trip auf der Gibb River Road haben wir in Kununurra hauptsächlich mit jobben verbracht. Ganze sechs Monate waren wir dort. Wenn wir frei hatten, haben wir die Zeit oft genutzt um die Region zu erkunden, denn es gibt wirklich viel zu sehen in dieser schönen Ecke.

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Wir hatten einmal mehrere Tage frei und haben diese für einen Mini-Outbacktrip genutzt. Auf unserer Kimberley-Karte haben wir nach Strecken gesucht, die im Idealfall in Kununurra starten und enden. Gefunden haben wir die Duncan Road und nach ein bisschen Recherche stellte sich heraus, dass es einiges zu sehen geben sollte. Wir haben also ein bisschen Verpflegung eingekauft und sind gestartet. Die Strecke ist mehr als 800 km lang und wir wollten unterwegs zwei Nächte campen.

Chinesische Mauer

Am ersten Tag sind wir typischerweise erst spät los gefahren und haben es nicht mal bis nach Halls Creek geschafft, von wo aus die Duncan Road dann startet. So haben wir die Nacht auf einer Rest-Area verbracht und konnten erst am nächsten Tag den richtigen Roadtrip starten. Gleich am Anfang der Strecke befindet sich die Sehenswürdigkeit „Wall of China“, eine Gesteinsformation aus Kalksteinen, die aussieht wie eine Mauer. Solche Gebilde gibt es noch an anderen Orten Australiens zu sehen. Weiter ging es zu diversen Flüssen und kleinen Seen, die aufgrund der Trockenzeit alle ausgetrocknet waren. Die einzige Quelle, die ganzjährig Wasser hat, ist „Palm Springs“. Dieser kleine See wirkt wie eine Oase mitten im trockenen Outback. Es wachsen grüne Palmen und Büsche und man konnte in dem Wasser sogar baden. Gleich daneben hatte jemand sein Camp aufgeschlagen – echt ein schöner Ort zum Übernachten. Für uns ging es aber weiter, denn auch Palm Springs ist noch ziemlich am Anfang der Route.

Leider stellte sich bald heraus, dass Palm Springs der Höhepunkt dieses Trips war, denn ab da fuhren wir eigentlich nur noch ohne Stopp, es gab nicht wirklich etwas zu sehen. Die Straße besteht – ähnlich wie die Gibb River Road – nur aus kleinen Steinchen und Erde, ab und an trifft man auf ein paar Kühe und es zweigen hier und da mal Straßen ab, die zu versteckten Outback-Stations führen. Die zweite Nacht haben wir einfach irgendwo im Busch gecampt und die Ruhe genossen.

Camel Trophy

Den dritten Tag haben wir hauptsächlich im Auto verbracht. Die Landschaft ist relativ eintönig und nicht sehr spektakulär. Fast wäre ich eingeschlafen, als ich auf einmal Kamele entdeckte. Ich rief „Stoooopp!“ und Denny machte fast eine Vollbremsung. Wir stiegen aus und gingen in Richtung der Kamele. Wir waren von den Tieren durch einen niedrigen Zaun getrennt, kein Besitzer weit und breit zu entdecken. Eins von ihnen war sehr zutraulich und kam zu uns an den Zaun und ließ sich streicheln. Dieses Erlebnis hatte unseren Tag gerettet und wir waren doch froh, dass wir diesen Trip gemacht haben. Später sahen wir noch ein paar wilde Esel flüchten, ansonsten verlief der Rest der Fahrt ohne weitere Highlights.

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Die Strecke, wie wir sie gefahren sind, startet in Westaustralien (WA) und schlängelt sich dann an der Grenze zum Northern Territory (NT) wieder in Richtung Highway, man fährt also ein mal kurz ins NT, dort auf den Highway und dann zurück nach WA über die richtige Grenze, wo man sein Auto auf Obst und andere Sachen, die unter die Quarantäneregel fallen, durchsuchen lassen muss. Also besser alle frischen Sachen aufessen oder gar nicht erst etwas mitnehmen.

So haben wir unsere Zeit in Australien verbracht, immer schön abseits der Straßen und am liebsten mitten durchs Outback. Größere Pannen sind uns zum Glück nicht mehr passiert. Einen letzten Trip in der Kimberley-Region haben wir noch gemacht, von Kununurra in die Bungle Bungles und dann über die Tanami Road nach Alice Springs.

Es gibt noch viel mehr zu entdecken und wir werden auf jeden Fall noch einige Outback-Touren machen, wenn wir ein perfekt ausgerüstetes Auto und genügend Zeit zur Verfügung haben.

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Denny und Sarah schreiben über ihre Erlebnisse bei ihrem Roadtrip durchs Outback sowie über weitere Erfahrungen in Australien auf www.dennyundsarahunterwegs.wordpress.com.

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