Radtouren Deutschland: Fahrradwege im Test

Radtouren Deutschland: Fahrradwege im Test

Radreisen und Radtouren in Deutschland boomen – von der Wochenendtour bis zum Radurlaub. Bei der Suche nach guten Radrouten hilft der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

Radtouren Deutschland: Fahrradwege im Test

Wenn es um die Planung einer Radreise geht, gilt es einige Dinge zu beachten. Praktisch ist es da, wenn man im Vorfeld schon Infos darüber hat, wie die Qualität der Routen ist. Wie sieht’s mit der Routenführung vor Ort aus? Wie ist die Beschaffenheit der Wege und die Infrastruktur? Bei der Einschätzung der Qualität hilft der ADFC. Der zeichnet nämlich Qualitätsradrouten aus. Wie das funktioniert, dazu habe ich Nina Schaal vom ADFC Baden-Württemberg befragt.

Frau Schaal, Ihr Verband vergibt das Siegel „ADFC-Qualitätsradrouten“. Seit wann wird zertifiert und wer zertifiziert da eigentlich genau?

Wir klassifizieren Radfernwege und vergeben für die Qualität dieser Radwege Sterne. Je höher die Anzahl der Sterne, desto mehr Qualität wird Radreisenden auf der Strecke geboten. Der Trend zum Radurlaub hält ja erfreulicherweise weiter an und in den Ferien und der Freizeit nutzen die Deutschen das Rad immer häufiger. Dabei haben sie die Qual der Wahl, denn es gibt über 200 Radfernwege in Deutschland. Da stellt sich schon die Frage, wohin die Reise gehen soll.

Seit 2006 bieten wir Radreisenden durch die Auszeichnung der Qualitätsradrouten eine Orientierungshilfe an. Bei den Radfernwegen vergibt der ADFC je nach erreichter Punktzahl bis zu fünf Sterne. Damit haben wir uns deutschlandweit für einheitliche Standards eingesetzt. Inzwischen haben wir auch in einigen anderen Ländern Routen mit ADFC-Sternen ausgezeichnet.

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Für die Zertifizierung haben wir strenge Kriterien entwickelt und Personen geschult, diese zu überprüfen. Sind die Prüfer auf einem Radfernweg unterwegs, nehmen sie ihn praktisch Meter für Meter unter die Lupe. Mit der Bestandsaufnahme erhalten die Verantwortlichen für die Route zusätzlich auch konkrete Hinweise, wo noch Verbesserungsbedarf besteht, um Radtouristen den besten Service zu bieten. Das Gütesiegel „ADFC-Qualitätsradroute“ ist dann für drei Jahre gültig. Entwickelt und in der Praxis getestet wurde es vom ADFC-Fachausschuss Tourismus.

Der ADFC vergibt bis zu fünf Sterne bei der Zertifizierung. Wie genau wird die Qualität der Radwege bewertet und wie kommt das Ergebnis zustande?

Den Weg zur Qualitätsradroute ebnet ein klarer Kriterienkatalog. Wichtig ist dabei die Transparenz für das Gütesiegel und die Bewertungen sollen nachvollziehbar sein. Ebenso klar ist, dass die Bewertung allein aus Sicht der Radtouristen erfolgt.

Auf Tagesetappen von jeweils 50 km Länge untersuchen die Prüfer, ob und inwieweit die Kriterien und Merkmale erfüllt sind und sie gewichten gute oder schlechte Streckenteile. Dabei nehmen sie die Perspektive der Radreisenden ein, nicht die von Bauingenieuren oder Bauämtern.

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Nach diesen Kriterien schauen wir bei der Bewertung:

  1. Eindeutiger Name der Route: einheitlich und unverwechselbar
  2. „Nationaler Rang“: überregionale Bedeutung, mindestens 100 km Länge und Pauschalangebote
  3. Befahrbarkeit: Breite, Umlaufschranken, Poller, Stufen, Treppen, Gefahrenstellen
  4. Oberfläche: Material, Schiebestrecken, Querrillen, große Löcher
  5. Wegweisung: Schildergröße, Ort- und Kilometerangaben auf den Schildern sowie ihre Lesbarkeit, fehlende Schilder und richtige Richtung ausgeschildert, Widersprüche zu Straßenverkehrsordnung
  6. Routenführung: Lärmbelastung, Geruchs- und Staubbelästigung, Umwege oder unnötige Höhenmeter, monotone Streckenführung und bei Themenrouten die Umsetzung des Themas
  7. Kfz-Verkehrsbelastung: autofrei, unterschiedliche Klassifizierung je nach Kfz-Belastung, ungesicherte Querungen
  8. Touristische Infrastruktur: Zahl der Campingplätze, Gastronomie, Bett+Bike-Betriebe, Tourist-Informationen, Infotafeln, Abstellanlagen, Fahrradboxen/Radstationen, Spielplätze, Schutzhütten, Rastplätze
  9. Anbindung der Route an öffentliche Verkehrsmittel: Häufigkeit des Bahnfernverkehrs mit Fahrradmitnahme, Fahrradbus
  10. Marketing: vorhandenes Karten- und Informationsmaterial, in Abhängigkeit von Maßstab und Aktualität, Internetpräsenz

Wer genau bekommt eigentlich das Qualitätssiegel verliehen und welcher Vorteil hat die Zertifizierung für den Bewerber?

Das Qualitätssiegel verleihen wir Betreibern von Radfernwegen. In der Regel sind das Ansprechpartner von Destinations-Management-Organisationen (DMO), touristischen Regionen oder Kommunen. Zu den Vorteilen: Qualitätslabels bieten Vertrauen und Orientierung für die radelnden Gäste. Die zertifizierten Routen werden über diverse ADFC-Marketingkanäle beworben und die Betreiber können das Sterne-Logo für Ihre eigene Vermarktung nutzen.

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Wie kann ich mich als Radfahrer über die Qualitätsradrouten informieren?

Wir haben alle Informationen rund um die Qualitätsradrouten ausführlich auf unserer Webseite unter ADFC-Radrouten zusammengefasst. Dort kann auch nach einzelnen Radrouten selektiert werden und es gibt weiterführende Infos zu unserer Bewertung sowie zu Sehenswürdigkeiten, Highlights und zur Routenplanung.

Neben den Qualitätsradrouten zeichnen Sie auch „ADFC-RadReiseRegionen“ aus. Wie funktioniert’s?

Neben den Radfernwegen gibt es auch touristische Regionen, die sich besonders auf Radreisende eingerichtet haben und diesen jede Menge Qualität und Service bieten. Solche Regionen zertifiziert der ADFC mit dem Siegel „ADFC-RadReiseRegion“. Auch bei dieser Auszeichnung möchten wir als Verband radreisenden Gästen qualitative Standards bieten, an denen sie sich orientieren können.

Ähnlich wie bei den ADFC-Qualitätsradrouten prüfen wir die Angebote aus Sicht der Reisenden. Allerdings sind die „ADFC-RadReiseRegionen“ für eine andere Zielgruppe gedacht, daher gelten hier andere Kriterien. Hier wird nicht ein kompletter Radfernweg unter die Räder genommen, sondern eine Region.

Radtouren in Deutschland

Entsprechend sind abwechslungsreiche Routen und Themen wichtig, damit die radelnden Gäste viel entdecken können. Oft haben die Regionen ihre Planung, das Routennetz und die entsprechenden Angebote über Jahre vorangetrieben. Ausschilderung, Infotafeln und Informationsangebote sind dabei ebenso wichtig wie die Infrastruktur mit Fahrradverleih und Übernachtungsangebote in unterschiedlichen Kategorien. Wichtig ist auch, dass sich die Region als touristisches Reiseziel klar abgrenzen lässt.

Radtouristen sollen sich die Region anhand von regionalen Routen, die in Karten, Flyern oder Broschüren dargestellt werden, erschließen können. Auch hier fahren geschulte Prüfer die Routen ab und bewerten sowohl Infrastruktur als auch Schwachstellen.

Ihr persönlicher Tipp für die Planung von Radtouren in Deutschland?

Tatsächlich bieten wir für jeden Anspruch und jede Zielgruppe passende Angebote. Pauschalangebote inklusive Hotels, Gepäcktransport, Tourenleiter uns. gibt’s z.B. exklusiv für Mitglieder auf ADAC-Radreisen. Wer lieber individuell reist, findet im Radreiseplaner „Deutschland per Rad entdecken“ wertvolle Inspirationen für die nächste Radreise. Die Broschüre wird seit 1999 alle zwei Jahre von uns veröffentlicht und präsentiert die schönsten Radfernwege Deutschlands.

Für Individualreisende finde ich persönlich auch die Bett+Bike-Unterkünfte ideal, da hier radelnde Gäste stets willkommen sind und die Fahrräder über Nacht sicher untergebracht sind. Die sind inzwischen auch online buchbar.

Radurlaub Deutschland: Fahrradwege im Test

Photocredit: Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung / ADFC-Qualitätsradrouten

Das Interview habe ich mit Nina Schaal geführt. Sie ist Projektmanagerin Tourismusmarketing & -beratung und betreut u.a. die Geschäftsstelle Neckartal-Radweg. Außerdem koordiniert sie das Marketing im Rahmen der Kooperation „Deutschlands schönste Flussradwege“ und ist verantwortlich für die Auftritte des ADFC Baden-Württemberg bei Veranstaltungen wie der Messe „Fahrrad- & WanderReisen“ auf der CMT Stuttgart.

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Hast du eigene Erfahrungen oder Ergänzungen? Dann freue ich mich auf deinen Kommentar und deine Tipps.

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Heiko Müller

Ich bin Redakteur, Reiseblogger und Gründer von People Abroad. Verreist du auch so gerne wie ich? Dann haben wir mindestens eine Gemeinsamkeit. Was ich am liebsten unterwegs mache? Mich auf neue Orte, Menschen und Kulturen einlassen. Wandern, biken und laufen. Hinterlasse hier einen Kommentar oder schreibe mir an h.mueller@people-abroad.de. Ich freue mich auf deine Nachricht.
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