Radreisen: Aktuelle Trends und Tipps für die Planung

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Radreisen sind beliebt und die Tendenz dazu ist laut der ADFC-Radreiseanalyse steigend. Aktuelle Trends und Tipps für die Planung gibt es im Interview mit dem ADFC.

 

Photocredit Titelbild: Grafschaft Bentheim Tourismus, Rudi Schubert

Radreisen bieten die Möglichkeit Regionen aktiv und umweltfreundlich zu entdecken. Das gilt für individuelle Radurlaube wie für geführte Radreisen. Die Infrastuktur für Urlaube mit dem Fahrrad hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Zudem ist die Nachfrage am nachhaltigen und umweltverträglichen Reisen stetig gestiegen.

Laut der ADFC-Radreiseanalyse 2022 ist der Radtourismus nach dem schwierigen Reisejahr 2020 (Corona) eindeutig im Aufwind. Zu den aktuellen Trends bei Radreisen, nützlichen Tipps für die Planung und die ADFC-Radreisen, dazu habe ich Nina Schaal vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Baden-Württemberg befragt.

Die 10 beliebtesten Radregionen in Deutschland und die 10 beliebtesten Radrouten bzw. Radwege, die in der ADFC-Radreiseanalyse 2022 ermittelt wurden, gibt es am Ende des Artikels in einer grafischen Übersicht.

Weitere Artikel zu ADFC-Radthemen findest du hier:
Radtouren Deutschland: Fahrradwege im Test
Flussradwege in Deutschland – Infos & Tipps

Laut der ADFC-Radreiseanalyse 2022 haben im letzten Jahr rund 4 Mio. Menschen in Deutschland eine Radreise unternommen. Wie ist diese Zahl einzuordnen?

In Folge der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Reisebeschränkungen und Betriebsschließungen konnte man im Jahr 2020 einen starken Rückgang der Radreisenden beobachten. Im Jahr 2021 waren wieder mehr Radreisende unterwegs, aber auch hier hat die Saison erst verspätet begonnen (Lockdown bis Mai 2021, unsichere Buchungslage). Auf dem Niveau von 2019 mit 5,4 Mio. Radreisenden bewegen wir uns noch nicht wieder, aber der Trend zum Radurlaub im eigenen Land bleibt ungebrochen.

Was bewegt Menschen dazu sich für eine Radreise zu entscheiden und welche Kriterien sind ausschlaggebend?

Die vier wichtigsten Beweggründe nach unserer Kenntnis für eine Radreise sind:

  1. Bei Radreisen sieht man mehr von Land und Leuten (81 %)
  2. Ich möchte im Urlaub aktiv sein (67 %)
  3. Radreisen sind eine umweltfreundliche Art zu reisen (52 %)
  4. Radreisen sind eine gute Möglichkeit etwas für meine Gesundheit zu tun (48 %)

Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Trend zu Radreisen und dem Trend zum E-Bike-Fahren?

Auch bei den Radreisen können wir eine steigende Nutzung von Elektrofahrrädern beobachten. Fast die Hälfte der Radreisenden (42%) sind mittlerweile mit einem Elektrofahrrad unterwegs, dieser Wert ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. 53 % der Radreisenden mit Elektrofahrrad gaben an, dass sie jetzt auch anspruchsvollere, hügelige Regionen besuchen. 29 % können nun mit dem Partner oder Freunden einen Radurlaub machen und mithalten. Durch das Elektrofahrrad öffnet sich der Markt für neue Zielgruppen und Regionen.

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Welche wichtigen Erkenntnisse liefert die Radreiseanalyse 2022 für den ADFC als Verband, welche Handlungsempfehlung leiten sich daraus ab?

Bei der Planung von Radreisen spielen infrastrukturelle Aspekte eine zentrale Rolle. Radreisenden sind neben den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke die Verkehrssicherheit und Befahrbarkeit der Routen überaus wichtig. Kommunen müssen daher fortlaufend in ihre Infrastruktur investieren und die dafür nötigen Gelder in den Haushalt einstellen.

Welche Rolle können touristische Akteure, Gastronomen, Hotelerie usw. einnehmen, um Radreisende in ihre Region oder Stadt zu locken und Radreisen für sich voranzubringen?

Kommunen, Gastgeber und Gastronomen prägen maßgeblich das Raderlebnis und die Radfreundlichkeit vor Ort. Kommunen müssen vor allem in die Infrastruktur investieren und diese kontinuierlich pflegen (Wegeoberfläche und -breite, verkehrsarme und attraktive Routenführung, durchgängige Beschilderung, Rastplätze etc.). Gastronomen, Gastgeber und Freizeitanbieter sollten sich auf die Bedürfnisse der Radreisenden einstellen, z.B. durch die Bereitstellung von sicheren Abstellanlagen, Lademöglichkeiten, Reparatursets und Unterkünften für eine Nacht.

Um die Standards von Fahrradfreundlichkeit objektiv bewerten und den Radreisenden ein verlässliches Qualitätsversprechen zu geben, hat der ADFC die Qualitätssiegel Bett + Bike, ADFC-Qualitätsradroute und ADFC-RadReiseRegion konzipiert. Die Vorteile dieser Klassifizierungen sind:

  • Bundesweit anerkanntes Qualitätsmanagementsystem
  • Einheitliche Qualitätskriterien und -standards
  • Tool für das radtouristische Qualitätsmanagement
  • Identifizierung von Stärken, Schwächen und Handlungsfeldern
  • Qualitätsversprechen gegenüber dem Radurlauber
  • Marketinginstrument und Wettbewerbsvorteil

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Wie kann man als Neuling vorgehen, wenn man zum ersten Mal eine Radreise plant, bisher immer mit dem Auto, Zug oder Flugzeug in Urlaub gefahren ist?

In Sachen Radreisen ist der ADFC Baden-Württemberg ein alter Hase im Geschäft: Seit 25 Jahren veranstaltet der Fahrrad-Club Gruppenradreisen für seine Mitglieder und bildet die Reiseleitungen für die Touren selbst aus.

Eine häufige Frage ist die nach der Vorbereitung auf eine Radreise. Was muss ich alles mitnehmen? Wie bereite ich mich und mein Fahrrad auf die Reise vor? Die erfahrenen ADFC-Tourenleiter*innen wissen da Bescheid und geben hilfreiche Tipps, damit die Tour auch reibungslos abläuft.

Welche Dinge gilt es zu beachten, wenn ich eine Radreise plane?

Generell ist es hilfreich, wenn man im Vorfeld schon Informationen darüber hat, wie die Qualität der Routen ist. Wie sieht es mit der Routenführung vor Ort aus? Wie ist die Beschaffenheit der Wege und die Infrastruktur? Teilnehmende an ADFC-Gruppenradreisen erhalten die notwendigen Infos bereits vor der Reise.

Tourenleiterin Sabine Adam empfiehlt für ihre Tour durch die südfranzösische Provence außerdem, sich vorab diese Fragen zu stellen:

  • Habe ich genügend Training bezüglich der kommenden Höhenmeter und Entfernungen?
  • Kann ich 5 bis 6 Stunden pro Tag im Sattel sitzen?
  • Für Touren mit dem Pedelec: Habe ich zwei Akkus oder wenn nicht, kann ich diese Tagesetappen mit nur einem Akku fahren? Denn oft ist Aufladen während der Fahrt nicht möglich.
  • Welches Gepäck brauche ich wirklich? Es sollte auf ein Minimum reduziert werden, denn jedes Kilo Gewicht erfordert Kraft und Ausdauer.
  • Ist mein Fahrrad technisch in Ordnung? Sind die Bremsen in Ordnung und läuft die Schaltung geschmeidig?
  • Sitzen die Satteltaschen ordentlich und fest? Habe ich ausreichend Trinkflaschen dabei und kann ich diese auch gut befestigen?

Tourenleiterin Cilli Ißler leitet in diesem Jahr unter anderem Radreisen nach Cesenatico und im Elsass. Auch sie setzt zunächst den einwandfreien technischen Zustand des Fahrrads voraus (Luftdruck, Reifenzustand, Kettenschmierung, Bremsen). Einstellungen wie die Sattelhöhe müssen passen und erprobt sein.

Ihr wichtiger Textil-Tipp: Auch wenn die Sonne scheint, ist es auf dem Fahrrad durch den Fahrtwind immer etwas kühler. Daher sollte man besser die „Zwiebelmethode“ anwenden: Warm einpacken, also am Oberkörper mehrere Schichten übereinander, derer man sich dann im Lauf der Tour entledigen kann. Um Arme und Beine flexibel „freilegen“ zu können, sind innen leicht aufgeraute Arm- und Beinlinge zu empfehlen. Um den Oberkörper vor dem Auskühlen zu schützen, ist eine spezielle Windjacke oder -weste hilfreich.

Roland Stich ist Tourguide bei den Radreisen „Cesenatico“ und „Bodensee-Königsee“. Auch er setzt die technische Prüfung des Fahrrads voraus: Bereifung und Bremsen sollten in gutem bis sehr gutem Zustand sein (kein abgefahrenes Profil, keine Risse in den Flanken des Mantels, keine abgefahrenen Bremsbeläge). Das Rad muss alle Anforderungen an die Verkehrssicherheit erfüllen im Hinblick auf Beleuchtung, Reflektoren und Klingel.

Radreiseprofis wissen: Beim Packen ist weniger oft mehr. Je weniger Ballast man mit dem Rad transportiert, desto einfacher fällt es, im hügeligen oder bergigen Gelände zu fahren. Der erfahrende Reiseleiter Hans Schöppenthau empfiehlt fürs professionelle Packen die bewährte ADFC-Checkliste. Dort wird auch erklärt, wie das Gewicht auf dem Rad und in den Radtaschen am besten verteilt wird – Faustregel: etwa ein Drittel vorne und Zweidrittel hinten.

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Für viele Neulinge könnte es schwierig sein das eigene Fitness-Level realistisch zu beurteilen, die Länge der Tagesetappen zu planen, inklusive der Steigungen bzw. Höhenmeter. Wie lässt sich das am besten angehen?

Eine Einschätzung des eigenen Leistungsvermögens ist nicht exakt möglich. Daher empfiehlt Hans Schöppenthau, zertifizierter ADFC-Radreiseleiter seit 25 Jahren: Man sollte schon vor der Reise entsprechend lange Strecken gefahren sein. Nicht nur wegen der Kondition, sondern auch wegen des Sitzvermögens.

Roland Stich rät, dass niemand ohne entsprechendes Training zu einer Radreise aufbrechen sollte. Konkret bedeutet das, dass man mindestens das ein- bis zweifache der Gesamtstrecke in der laufenden Saison geradelt sein sollte. Dabei sollten die Maximaletappe mehrfach gefahren werden. Geht die Radreise in bergiges Gelände, gilt es auch entsprechend Höhenmeter und vergleichbare Anstiege zu trainieren. Findet die Radreise mit Gepäck am Rad statt, sollte ich auch das Fahren mit Gepäck üben, da das Fahrrad voll bepackt anders reagiert, als im Normalzustand.

Auf unserer Website haben wir nützliche Tipps für die Vorbereitung auf eine Radreise gesammelt.

Seit mittlerweile 25 Jahren gibt es nun die ADFC-Radreisen. Welche Länder und Regionen sich besonders beliebt und welche Vorteile bringt eine organisierte Radreise?

Seit 1997 organisieren wir Radreisen in verschiedenen Regionen Europas. Unser Ziel ist es den Teilnehmern einen erholsamen und stressfreien Radurlaub zu bieten. Hierfür erkunden unsere ausgebildeten ADFC-Tourenleiter immer wieder neu Europas schönste Radfahrregionen. Gemeinsam Rad fahren und dabei Natur und Kultur erleben, stehen bei uns an erster Stelle.

Der ADFC Baden-Württemberg ist der einzige Landesverband, der Radreisen in diesem Umfang als Reiseveranstalter anbietet und auf einen Erfahrungsschatz von 25 Jahre zurückblicken kann.

Alles begann mit nur einer Reise nach Cesenatico und dieses Jahr sind es sogar schon 27 europaweite Reisen. Dabei darf unsere Traditionsreise Cesenatico natürlich nicht fehlen. Italiens Dolce Vita, die wunderschönen Landschaften, schmucke Städtchen und angenehmen Radfahr-Temperaturen ziehen unsere Mitglieder jedes Jahr erneut in ihren Bann. Aber nicht nur Italien erfreut sich großer Beliebtheit bei unseren Mitglieder-Reisen. Auch Kroatien, Frankreich und ein Radreiseurlaub in Deutschland liegen stark im Trend.

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An welche Zielgruppe von Radreisenden richten sich die organisierten Touren und Radurlaube des ADFC?

Die ADFC-Gruppen-Radreisen sind speziell für ADFC-Mitglieder. Hier ist man unter sich, genießt Landschaft und Kultur, erklimmt Alpenpässe oder wagt sich mit dem Mountainbike auf Trails abseits der Hauptrouten.

Dabei ist die Gruppe in guten Händen, denn neben der Geselligkeit und dem Austausch mit Gleichgesinnten, spielen auch die Ortskenntnisse und das gut ausgearbeitete, abwechslungsreiche Programm unserer Tourguides eine wichtige Rolle.

Die Gruppen-Radreisen werden von zertifizierten ADFC-Tourguides geleitet. Ohne ihre Zielgebietskenntnisse, ihr Mitwirken und ihre Expertise könnten unsere Radreisen nicht umgesetzt werden. Mit Witz, Charme und sportlichen Einflüssen leiten sie die Radreisegruppen und haben nicht selten eine große Gefolgschaft an langjährigen Fans hinter sich. Wir bieten übrigens auch eine Schnupper-Einstiegsmitgliedschaft zum Sonderpreis an.

Unsere Radreisen sind für Personen mit unterschiedlichster Kondition konzipiert, für Einsteiger ebenso wie für Sportliche, Rennradfahrer und Mountainbiker. Für alle Reisen empfehlen wir Reiseräder mit hochwertiger Gangschaltung. Fahrer von Pedelecs sind auf allen Reisen willkommen (außer Mountainbike-& Rennrad-Reisen), sie sollten jedoch stets einen Zweit-Akku und ein Ladegerät auf der Radreise mit sich führen.

Wer lieber individuell unterwegs sein möchte und die Touren auf eigene Faust ohne Tourenleiter fahren will, ist bei den ADFC-Individualradreisen richtig. Von der Schwäbischen Alb über den Schwarzwald bis zum Bodensee ist für alle Schwierigkeitsgrade und Vorlieben die richtige Radreise dabei.

Auch ohne Tourenleiter müssen sich die Urlauber*innen um nichts kümmern, der ADFC plant die Routen und Etappen, bucht fahrradfreundliche Unterkünfte an der Strecke und versorgt die Radfahrenden mit Reiseunterlagen, Radkarten, GPX-Tracks und Toureninfos. Es entsteht keinerlei Planungsaufwand, daher sind die Touren auch gut für Radreise-Neulinge geeignet und sie stehen im Gegensatz zu den geführten ADFC-Gruppenreisen auch Nicht-Mitgliedern offen.

Aktuell gibt es auf Baden-Württembergs schönsten ADFC-Qualitätsradrouten diese Radreisen:

  • Neckartal-Radweg
  • Albtäler-Radtour
  • Remstal-Radweg
  • Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg
  • Berg Bier-Tour
  • Odenwald-Madonnen-Radweg
  • Naturpark-Radweg Schwarzwald Mitte/Nord
  • Enztal-Radweg
  • Württemberger Weinradweg

Das Portfolio wird ständig erweitert und in Kürze werden weitere Radwege auf der Schwäbischen Alb und der DonauTäler Radweg hinzukommen. Abschließend gibt es noch die 10 beliebtesten Radregionen in Deutschland und die 10 beliebtesten Radrouten bzw. Radwege, die in der ADFC-Radreiseanalyse 2022 ermittelt wurden:

Die Top 10 Radregionen in Deutschland

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Die Top 10 Radrouten in Deutschland

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Das Interview habe ich mit Nina Schaal geführt. Sie ist Projektmanagerin Tourismusmarketing & -beratung und betreut u.a. die Geschäftsstelle Neckartal-Radweg. Außerdem koordiniert sie das Marketing im Rahmen der Kooperation „Germany’s Top River Routes“ und ist verantwortlich für die Auftritte des ADFC Baden-Württemberg bei Veranstaltungen wie der Messe „Fahrrad- & WanderReisen“ auf der CMT Stuttgart.

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