Die Perry Rhodan-Serie & 50 Jahre Mondlandung

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Perry Rhodan ist eine der erfolgreichsten Science Fiction-Serien weltweit. Darin erlebt der Titelheld immer wieder neue, spannende Weltraum-Abenteuer. Co-Autor Gerhard Huber berichtet.

Vor 50 Jahren erreichte die Apollo 11-Mission der NASA den Mond und erstmals betraten Menschen den der Erde am nächsten gelegenen Himmelskörper. In literarischer Form gelang dies in der 1961 gestarteten Perry Rhodan-Serie dem gleichnamigen Helden im Jahre 1971. Eine literarische Reise, die auch heute noch erzählt wird und im Februar 2019 mit Heftroman Nummer 3000 ebenfalls eine beachtenswerte Wegmarke feiern durfte.

Das 50-jährige Jubiläum der Mondlandung brachte wieder Bewegung in die Diskussion um eine erneute bemannte Mission zum Mond und die Errichtung einer dauerhaften Mondstation, die eventuell für einen Startpunkt zum Mars dienen könnte. Und auch das Thema nicht nur für Milliardäre erschwinglicher Mondreisen oder gar Mondtourismus erhielt wieder Schwung. Doch ob und wie man in absehbarer Zeit als Tourist den Mond erkunden könnte, das steht wohl weiter in den Sternen. Aber man kann sich ein wenig mit der literarischen Reise, beispielsweise der Perry Rhodan-Serie, trösten.

Und passend zum 3.000 Perry Rhodan-Band sowie dem Jubiläum der Mondlandung ein Roman von Andreas Eschbach erschienen mit dem Titel »Perry Rhodan – das größte Abenteuer«. Darin erzählt der Autor unter Bezugnahme auf die tatsächlich historischen Ereignisse auf dem Weg zur Mondlandung gewissermaßen die Vorgeschichte zur Perry Rhodan-Serie und gibt einen spannenden Einblick in die Raumfahrtgeschichte des 20. Jahrhunderts bis zu dem Punkt an dem unsere Historie in die Serie »abbiegt«.

Perry Rhodan – Fernweh ist Sternweh

Am Morgen des 12. April 1961 begann die abenteuerliche Reise des Oberleutnants Juri Gagarin ins All. Nur wenige Stunden später hatte sein Heimatplanet ihn als Major – während der Mission war er von Regierungschef Nikita Chruschtschow befördert worden – wieder. Gagarin hatte somit als erster Mensch die Erde in einer Raumkapsel umrundet, so wie es Gagarins Landsmann, der Weltraumpionier und Visionär Konstantin Ziolkowski (1857-1935), angedeutet hatte: »Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber welches Kind bleibt schon ewig in seiner Wiege?«

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Vier Jahre nachdem der Sowjetunion mit Sputnik 1 der erste unbemannte Raumflug gelungen war, hatte nun erstmals ein Mensch die Wiege der Menschheit verlassen. Die UdSSR hatte damit den USA den sogenannten Gagarin-Schock versetzt, den Kalten Krieg zwischen den beiden damals dominierenden Weltmächten angeheizt und gewissermaßen um das Territorium Weltall ausgeweitet. Nur wenige Wochen nach Gagarins Erdumrundung hatte US-Präsident John F. Kennedy seiner Nation angekündigt, »noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond zu landen und sicher zur Erde zurückzubringen«.

Diese Unternehmung gelang im Juli 1969 und etwa eine halbe Milliarde Menschen verfolgten das Ereignis weltweit. Ein Ereignis, das im Juli 2019 seinen 50. Geburtstag feiern konnte. Doch war – allerdings im Vergleich dazu eher still und leise – die Mondlandung bereits wenige Monate nach Gagarins Reise einem amerikanischen Risikopiloten namens Perry Rhodan gelungen; und zwar in literarisch-fantastischer Form mit einem Heftroman, der am 8. September 1961 unter dem Titel »Unternehmen ‚Stardust’« erschienen war.

Wie Perry Rhodan den Dritten Weltkrieg verhinderte

Die Science Fiction-Autoren Walter Ernsting (Pseudonym: Clark Darlton) und Karl Herbert Scheer hatten im Auftrag des Münchener Moewig-Verlags Ende 1960 das Konzept für eine Heftromanserie mit einem feststehenden Helden entwickelt und ebendiesen Helden Perry Rhodan schließlich im ersten Roman, der im Jahr 1971 spielt, auf seine Reise zum Mond geschickt. Dort treffen Rhodan und seine Begleiter auf ein gestrandetes außerirdisches Raumschiff.

Nach der Rückkehr zur Erde nimmt Major Rhodan anders als Juri Gagarin allerdings seinen Abschied und gründet die Dritte Macht. Dank der überlegenen außerirdischen Technik kann Rhodan den drohenden Dritten Weltkrieg verhindern, die Menschheit einen und auf ihrem Weg von der Wiege zu den Sternen begleiten. Und das tut Perry Rhodan als mit der Unsterblichkeit gesegnete Terraner noch heute, denn was anfangs als auf hoffnungsvolle 25 bis 50 Hefte reichende Serie angelegt war, erreicht 2019 die 3.000-Hefte-Marke. Die wohl größte literarische Unternehmung weltweit wird von einem Autorenteam erstellt und erscheint nach wie vor in Heftromanform.

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Es haben sich zur Hauptserie schon früh verschiedenste Begleiter in Form von Taschenbüchern, Spin-Off-Serien, Comics, Spielen und dergleichen mehr gesellt und auch zeitgemäße Medien wie Hörbuch oder E-Book sind längst zusätzliche Erscheinungsform der Hauptserie. Zudem wird die Serie in Buchform, den sogenannten Silberbänden, kompakt wieder aufgelegt und unterstreicht als erfolgreichste Buchreihe Europas den Erfolg der Serie.

Die Perry Rhodan-Serie – mehr als nur ein Groschenroman

Im Science Fiction-Bereich ist die Serie seit Jahrzehnten eine feste Größe und beschäftigt neben den Machern und Lesern auch den ein oder anderen Kultur- und Literaturwissenschaftler. Die Serie spiegelte stets, wie jede Literatur, Zeitgeist und Zeitströmungen wider, und ist entsprechenden Veränderungen oder Anpassungen unterworfen. Von den Zeiten des Kalten Krieges wurden die Serienmacher ebenso beeinflusst in den Anfangstagen wie von den gegenströmigen Tendenzen in den Siebziger- und Achtzigerjahren.

Toleranz und ähnliche moralische Werte hatten schon immer hohen Stellenwert in der Serie und heben sie über das einfache Unterhaltungsfutterniveau hinaus. Der Groschenroman(schund)- und Trivialliteraturvorwurf hängt der Serie allerdings manchmal noch an, doch zeugt er eher von Vorurteilshartnäckigkeit und Entwicklungsunfähigkeit so manchen Kritkasters.

»Trivial« ist vermutlich das häufigste Adjektiv, mit dem die Perry Rhodan-Serie bedacht worden ist. Mit »leicht verständlich« könnte man den Begriff »trivial« umschreiben, aber auch eine entsprechende Konnotation von »primitiv« oder »banal« schwingt dabei oft mit. Zumeist wird der Begriff »trivial« vom lateinischen »trivium«, den drei Zweigen der sieben mittelalterlichen Künste Grammatik, Rhetorik und Dialektik (neben Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik) abgeleitet.

Sprachwissenschaftlich-etymologisch mag der Begriff »Trivialität« sich aber auch ableiten vom Sanskrit-Wort »trividya« welcher die drei grundlegenden Erkenntnisstufen des Buddhismus umfasst. So könnte man sich sehr schnell von kurzweiliger Entspannungsunterhaltsamkeit in tiefgründige Philosophenweltenschwere begeben.

Perry ist älter als Captain Kirk

Wie dem auch sei, jedenfalls lässt sich mit Perry Rhodan trefflich literarisch fantasievoll reisen und welten(all)erkunderisch unterwegs sein nach einem – wenn auch aus dem Serienkontext gerissenen – Motto: »Fernweh ist Sternweh«. Für Mottos und andere Symbolträchtigkeiten im Science Fiction-Genre bekannter ist vielleicht eher eine andere Serie namens Star Trek. »Der Weltraum, unendliche Weiten«, »Beam me up, Scotty« oder eine Geste wie der gespreiztfingrige Vulkaniergruß machten diese Serie auch bei Science Fiction-Unkundigen bekannt.

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Gene Roddenberry entwickelte die Fernsehserie fünf Jahre nach dem Start der Perry Rhodan-Serie. Star Trek begann als Fernsehserie, der über die Jahre weitere Serien folgten, ebenso wie mehrere Kinofilme und Star Trek im Gedächtnis der Popkultur verankerte. Star Treks Hauptmedium ist nach Jahrzehnten weiterhin Fernsehen und Kino, die Serie hat sich aber auch Bereiche wie Buch und Comic erschlossen und erreicht dort weltweit Auflagen in Millionenhöhe.

Perry Rhodan-Fans in aller Welt

Auch die Perry Rhodan-Serie erscheint nicht allein im Herkunftsland, sondern neben Deutschland auch beispielsweise in den Niederlanden, Frankreich, Brasilien, Japan oder den USA. So überschritt die Heft-Gesamtauflage der Serie 2009 die 1,5-Milliarden-Marke. Doch wäre es müßig Popularität und Auflagehöhen gegeneinander aufzurechnen bei Serien, die zwar dem gleichen Genre angehören, aber so unterschiedliche Medien bedienen.

Den Erfolg letztlich allein in Auflagenstärken, Kinoeinspielergebnissen oder Fernsehwiederholungen zu messen mag statistisch interessant und wirtschaftlich relevant sein, kann letztlich aber nur Indikator sein, aber nicht erklären, worin der Erfolg beruht. Perry Rhodan und Star Trek zeichnet gleichermaßen aus, dass glaubwürdige Charaktere in interessanten Geschichten agieren und vor allem auch die Macher und damit die Serien sich nicht Entwicklungen und Veränderungen verschließen und so ihre Fans weiter mit auf die Reise nehmen.

Eine Reise wie sie durch ein Motto wie »Fernweh ist Sternweh« so schlicht wie poetisch zugleich umrissen wird. Ein Aufbruch zu den Sternen verbunden mit einer gewissen Melancholie, vielleicht auch Ausdruck von Furcht oder Ehrfurcht. Aber vor allem auch Ausdruck eines gewissen Zaubers, von Faszination, Verheißung und Hoffnung. Ein schönes Bild jedenfalls, das als Einladung zu lesen sein mag oder wie ein Sprichwort oder ein Aphorismus. Präzise auf den Punkt und schön zugleich.

»Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft.« heißt es bei dem Schweizer Schriftsteller John Knittel. An der Perry Rhodan-Serie jedenfalls kann man an in der Vergangenheit Erschienenem ebenso Freude haben wie an dem, was die nächsten 3.000 Hefte der literarischen Reise bringen mögen. Vielleicht sogar einen Eintrag ins kollektive Popkulturgedächtnis.

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Weitere Infos zur Serie findest du auf der offiziellen Webseite sowie in der Perrypedia, der Perry Rhodan-Enzyklopädie.

Zum Autor: Gerhard Huber hat eine Kurzgeschichte bei Stellaris, einer Story-Reihe im Rahmen der Perry Rhodan-Serie, sowie einen Perry-Fan-Roman veröffentlicht. Außerdem ist er im Perry-Fandom aktiv. Einen weiteren Artikel von ihm über Sylt findest du übrigens hier: Sylt Urlaub: Tipps für Natur & Outdoor

 

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