Der Aletschgletscher im Schweizer Kanton Wallis ist der größte und längste Gletscher der Alpen. Man kann ihn auf einer Wanderung erkunden – eine Tourenbeschreibung.
Inspiriert von vielen Eindrücken aus Fachmagazinen zum Thema Wandern und nicht zuletzt durch die sozialen Medien, steht der Aletschgletscher schon lange auf meiner persönlichen Liste der Wanderungen, die ich unbedingt einmal selbst gemacht haben möchte. Nachdem ich die Tour aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahren vor mir hergeschoben habe, beschließe ich im Sommer, dies nicht weiter zu tun und mich auf den Weg in die Berner Alpen zu begeben.
Der Aletschgletscher – Sehnsuchtsort im Wallis
Im Anschluss an einen einwöchigen Bergurlaub auf einer Hütte in Graubünden fahre ich also die zweieinhalb Stunden hinüber in den Kanton Wallis. Inmitten des UNESCO-Welterbes „Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch“ möchte ich den größten und längsten Gletscher der Alpen kennenlernen, der zwischen dem Eggishorn, dem Grossen Wannenhorn und dem Dreieckhorn eingebettet ist. Ich will es vorwegnehmen: Welche grandiose Landschaft ich dort erleben werde, raubt mir fast den Atem. In meinem Leben war ich bislang an nur wenigen Orten, die mich mehr begeistert und fasziniert haben. Fast schon ehrfürchtig werden mir die Dimensionen dieses Gletschers vor Augen geführt werden.
Eine weitere Tourenberschreibung findest du hier:
Faulhorn Wanderung: Bergtour in den Berner Alpen
Mit Seilbahnen ans Bettmerhorn und in die Erlebniswelt Aletsch
Ausgangspunkt meiner Wanderung entlang des Aletschgletschers ist die Talstation der Aletsch Bahnen in Betten, die direkt an der Fahrstraße zwischen Lax und Filet zu finden ist. Die Wettervorhersage für diesen Tag ist eigentlich ganz gut, doch beim Blick in die Webcams bekomme ich erste Zweifel. Im Tal ist es leicht regnerisch, der Himmel wolkenverhangen. Soweit nichts Ungewöhnliches, kann das Wetter 2.000 Höhenmeter weiter oben in den Bergen doch ganz anders sein. Doch auch in den Webcams ist rein gar nichts zu erkennen – nur eine dicke, weiße Nebelsuppe. Habe ich mir doch den falschen Tag ausgesucht? Eigentlich sollte es frühmorgens bereits sonnig sein. Ich beschließe trotzdem, die erste Seilbahn zu nehmen und hinauf ins Bergdorf Bettmeralp zu fahren.
Das autofreie Bergdorf liegt malerisch auf 1.970 Metern in den Berner Alpen, am Nordhang über dem Rhonetal im Oberwallis. Von der Bergstation der Seilbahn muss ich zu Fuß das Dorf durchqueren, um zur Talstation der Seilbahn „Bettmeralp – Bettmerhorn“ zu gelangen. Beim kurzen, zehnminütigen Marsch durch das Dorf erwische ich mich immer wieder bei dem Gedanken, wie schön das Leben hier oben, inmitten einer gewaltigen Bergkulisse, wohl sein muss. Zwar ist das Dorf natürlich auch einsam gelegen, aber es gibt wirklich alles, was man zum Leben braucht: Ärzte, Apotheken, Schule, Kindergärten, einen lebendigen Ortskern mit Shops, Bars, einem Einkaufsmarkt und lokalen Geschäften, Sport- und Tennisplätze sowie zahlreiche Freizeiteinrichtungen. Und wem das trotzdem zu langweilig sein sollte, der nimmt wohl einfach die Bahn ins Tal, die je nach Saison bis in die späten Abendstunden verkehrt.
Nach einigen Gehminuten komme ich an der Talstation der Seilbahn „Bettmeralp – Bettmerhorn“ an. Hier steige ich trotz des weiterhin dichten Nebels und des Nieselregens in die nächste Gondel ein und habe die Hoffnung, dass das Wetter 600 Höhenmeter weiter oben endlich aufklart. Doch je weiter ich nach oben komme, desto schlechter wird die Sicht. Ich bin etwas frustriert, denn so macht die Tour keinen Sinn. Ich muss warten und bin froh, dass direkt neben der Bergstation der Seilbahn die Erlebniswelt Aletsch liegt. Vielleicht hätte ich sie bei gutem Wetter nie besucht – so aber bin ich dankbar, mehr oder weniger dazu verdammt zu sein, sie zu besuchen. Denn es lohnt sich!
Hier entdecke ich auf den Spuren eines Eiszeitforschers die faszinierende Gletscherwelt sowie die Geheimnisse des größten Gletschers der Alpen. Die einmalige und attraktive Ausstellung zum großen Aletschgletscher, dem Mittelpunkt des UNESCO-Welterbes Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch, stimmt mich nachdenklich, als ich sie wieder verlasse. Wie groß der Gletscher einst war und wie verhältnismäßig wenig davon heute noch übrig ist, ist traurig zu sehen. Auch wenn ich von mir behaupte, grundsätzlich bereits ein recht gesundes Umweltbewusstsein zu haben, wird mir wieder klar, dass es bereits fünf nach zwölf und die verdammte Pflicht eines jeden ist, Naturphänomene wie dieses möglichst lange zu bewahren, um auch den Generationen nach uns noch solche Erlebnisse zu ermöglichen.
Das Wetter klart auf – hinauf aufs Bettmerhorn
Kurz darauf wird es am Himmel heller und ich habe das Gefühl, dass die Sonne durchdrückt. Das ist der Moment, in dem ich beschließe, meine Tour zu starten. Zunächst möchte ich auf das 2.858 Meter hohe Bettmerhorn, das rund 200 Höhenmeter über der Bergstation liegt und einen tollen Ausblick über den Gletscher verspricht – auch wenn ich anschließend auf demselben Weg wieder zurück zur Bergstation gehen muss.
Von der Bergstation der Bettmerhornbahn folge ich dem befestigten Bergweg hinauf zum Bettmerhorn. Die ersten Meter sind einfach zu gehen, dann wird der Weg alpiner und technisch anspruchsvoller. An einigen Stellen ist er seilgesichert, im Großen und Ganzen aber gut machbar. Nach rund 20 Minuten erreiche ich das Gipfelkreuz, gehe noch einige Meter weiter und erhasche erste Blicke auf den großen Aletschgletscher, da die Wolkenfelder nun lichter werden.
Am Gipfel hätte ich die Möglichkeit über den Grat weiterzuwandern, was laut den im Vorfeld gelesenen Tourenbeschreibungen etwas anspruchsvoller sein soll. Ich entscheide mich jedoch umzukehren, schließlich sieht meine Routenplanung für den heutigen Tag anders aus. Begeistert von den ersten Eindrücken und voller Vorfreude auf das, was mich noch erwarten wird, mache ich mich auf den Rückweg zur Seilbahn.
Von der Bergstation der Bettmerhorn-Seilbahn zum Märjelensee
Nur rund 200 Meter von der Bergstation Bettmerhorn entfernt liegt der View Point Bettmerhorn. Er ist barrierefrei erreichbar, wodurch auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen dieser faszinierende Aussichtspunkt auf 2.647 Metern offensteht – das finde ich großartig. Am Aussichtspunkt bin ich vom freien Blick auf die imposante Gerade und die dahinterliegende, langgezogene Kurve des Großen Aletschgletschers überwältigt. Zwar ist der Aussichtspunkt aufgrund seiner guten Zugänglichkeit gut besucht, doch ich weiß, dass es auf meiner Wanderung schon bald ruhiger werden wird.
Während die Sonne mittlerweile scheint, führt mich der Wanderweg bergab in Richtung des Gletschers. Ich folge den Schildern in Richtung „Roti Chumme“, „Märjela“ und „Fiescheralp“. Am nächsten Wegkreuz verlasse ich den Schotterweg nach rechts und biege in den Panoramaweg ein, der die nächsten rund vier Kilometer oberhalb der Gletscherzunge verlaufen wird. Mal geht es leicht bergab, dann wieder bergauf. Der Blick ist atemberaubend. Besonders beeindruckend sind die Details, die das Schmelzen des Gletschers zum Vorschein bringen.
Neben den klar erkennbaren Gletscherspalten entdecke ich unter anderem Schmelzwasserseen, Gletscherbäche und Gesteinsmaterial. Besonders eindrücklich sind die Seitenmoränen des Gletschers, die gut erkennbar sind und eine Vorstellung geben wie hoch einst der Gletscher war und wie wenig noch von ihm übrig geblieben ist.
Die Schönheit des Gletschers zieht mich in seinen Bann, während um mich herum inmitten der Idylle immer wieder Schafe weiden. Die Dimension des Aletschgletschers begreife ich jedoch erst, als ich einen Hubschrauber höre. Ich suche ihn auf meiner Höhe, kann ihn aber zunächst nicht entdecken. Erst als ich in das riesige Gletscherfeld hinunterblicke, sehe ich knapp über der Gletscherzunge einen kleinen Punkt, der über diese hinwegfliegt. Obwohl ich mich auf dem Wanderweg nur etwa 300 Meter oberhalb des Gletschers befinde und ihm somit recht nahe bin, wirkt der Hubschrauber winzig klein und weit weg. Wieder einmal begreife ich, wie nichtig und klein wir eigentlich wirklich sind.
Kurz nachdem ich auf der gegenüberliegenden Seite den Mittelaletschgletscher erblicke, halte ich mich rechts. Hier verlasse ich nun das riesige Gletscherfeld, um wenig später den Märjelensee zu erreichen, der sich östlich an den Aletschgletscher und den Fuß des Eggishorns anschließt. Der See lädt zu einer Pause ein. Wer einkehren möchte, überwindet noch den kurzen, knapp einen Kilometer langen Anstieg zur Gletscherstube (2.302 m), die sich direkt am Märjelen-Stausee befindet.
Von der Gletscherstube zur Fiescheralp / Kühboden
An der Gletscherstube angekommen, gibt es nun inmitten der faszinierenden Naturlandschaft, die von mehreren Gletschern geprägt und geformt wurde, zwei Möglichkeiten, zur Fiescheralp beziehungsweise zum Kühboden zu gelangen. Entweder geht man durch den fast einen Kilometer langen und beleuchteten Entlastungstunnel und wandert anschließend auf einem breiten Fußweg, der auch gut von Fahrrädern befahren werden kann, vorbei am „Obers Tälli“ (2.335 m) sowie dem Salzgäb (2.278 zur Fiescheralp (2.212 m). Oder man umrundet den Berg über das „Unners Tälli“, was die landschaftlich schönere Variante darstellt. Dabei führt der Weg entlang einer alten Wasserleitung auf einem schmalen Wanderpfad hinunter zur Fiescheralp.
An jener Stelle, an der bis zum Jahr 1972 das mondäne Hotel Jungfrau-Eggishorn stand, ehe es durch einen Brand zerstört wurde und Informationstafeln mich auf eine Zeitreise in die Belle Époque mitnehmen, kommen die beiden Wege wieder zusammen. Von nun an führt mich ein breiter Wanderweg über rund einen Kilometer zur Bergstation der Luftseilbahn, die die Fiescheralp mit Fiesch verbindet. Nachdem ich das Panorama genossen und den Tag Revue passieren lassen habe, nehme ich, glücklich und beeindruckt von der atemberaubenden Gletscherwelt, die Gondel und mache mich wieder auf den Weg ins Tal.
Aletschgletscher Wanderung
Tourdaten zur Wanderung
Wanderstrecke: 14,1 Kilometer
Höhenmeter: 512 m aufsteigend, 951 m absteigend
Tourenverlauf: Bergstation Bettmerhorn-Seilbahn – Bettmerhorn – Bergstation Bettmerhorn – Seilbahn – Roti Chumme – Märjelensee – Fiescheralp / Kühboden
Mein Tipp zur Wanderung
Von der Fiescheralp (2.212 m) fahre ich mit der Seilbahn hinunter nach Fiesch, wo man problemlos einen der Züge nach Betten nehmen kann. Wer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren möchte, wandert auf dem Herrenweg von der Fiescheralp beziehungsweise vom Kühboden weiter nach Bettmeralp. Dadurch verlängert sich die Tour um rund fünf Kilometer und etwa eine bis eineinhalb Stunden.
Weitere Artikel über die Region gibt es unter Faulhorn Wanderung: Bergtour in den Berner Alpen und Jungfrauregion – Grindelwald, Berner Alpen und Top of Europe. Nützliche Tipps zum Aletschgletscher findest du auch auf der offiziellen Website zum Gletscher.
Hast du weitere Tipps für den Aletschgletscher? Dann ergänze sie gerne in den Kommentaren.
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