Faulhorn Wanderung: Bergtour in den Berner Alpen

Die Wanderung zum Faulhorn in den Berner Alpen bietet eine abwechslungsreiche 2-Tages-Tour in der Schweizer Bergwelt. Hier findest du einen Tourenbericht.

 

Früh morgens klingelt der Wecker. Ich schieße auf und packe meine Sachen, die ich am Vorabend bereits gerichtet habe. Noch schnell ein Kaffee und die Zähne geputzt, dann geht es los in Richtung Grindelwald. Von meinem Wohnort Todtnau, der im Südschwarzwald nicht weit von der Schweizer Grenze liegt, sind es rund 200 Kilometer und etwas weniger als drei Stunden Fahrt, ehe ich den Ausgangspunkt meiner zweitägigen Wanderung im Berner Oberland erreiche.

Erste Etappe: Von Grindelwald zum Faulhorn

Noch einmal auf das Faulhorn – das war mein Wunsch. Im Alter von gerade einmal sieben Jahren bin ich diese Tour in die entgegengesetzte Richtung mit meinen Eltern und meinem Bruder bereits einmal gewandert. Die Erinnerungen daran sind mir nach wie vor präsent, allerdings sind sie nach mehr als 25 Jahren auch ein wenig verblasst. Diese wieder aufzufrischen und die einzigartige Bergkulisse noch viel bewusster wahrzunehmen, ist meine Motivation für die Tour.

Ich bin gerne in den Bergen unterwegs, denn sie geben mir ein Gefühl der Freiheit und bieten für mich einen Rückzugsort. An kaum einem anderen Ort bin ich glücklicher und zufriedener. Die Ruhe, Stille und Entschleunigung in den Bergen sorgen in einem Zeitalter der ständigen Erreichbarkeit, des Stresses und der Hektik dafür, dass der Akku wieder aufgeladen werden kann und ich daraus neue Motivation und Kraft schöpfe.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Herrliche Bergkulisse: Hinauf zur Großen Scheidegg

Ich parke mein Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz der Luftseilbahn Grindelwald Pfingstegg, der sich unterhalb der Dorfkirche und des Friedhofs befindet. Von hier aus mache ich mich auf den Weg hinauf zur Großen Scheidegg. Wer sich gut siebeneinhalb Kilometer und rund 900 aufsteigende Höhenmeter ersparen will, kann alternativ auch auf den Postbus zurückgreifen und somit die erste Etappe abkürzen. Ich entscheide mich aber für den Weg zu Fuß.

Zwischen alten traditionellen Holzhäusern und herrlichen Höfen führt mich der gut ausgeschilderte Wanderweg in Richtung meines ersten Zwischenziels des heutigen Tages. Der Weg verläuft zunächst auf Asphalt, ehe ich ab dem Hotel Wetterhorn auf einen naturbelassenen Feldweg wechsle, der unter anderem durch wunderschöne Moorwiesen bergauf führt.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Auf dem Weg hinauf zur Großen Scheidegg erwische ich mich selbst dabei, wie ich mich immer wieder umdrehe, um den imposanten Anblick der riesigen und weltbekannten Eiger-Nordwand zu genießen. Nahe des „7. Schürli“ begebe ich mich durch einen lichten Wald, der mir immer wieder Ausblicke hinunter nach Grindelwald ermöglicht. Vorbei am Ferienheim „Unterer Lauchbühl“ überquere ich die schmale Passstraße, die auch von vielen Radfahrenden und dem Postbus befahren wird, den man in der Ferne bereits immer wieder hören kann. Nach nicht einmal ganz zwei Stunden erreiche ich schließlich die Große Scheidegg, wo ich unweit des gleichnamigen Bergrestaurants den faszinierenden Blick auf den Grindelwaldgletscher sowie den Eiger und den Mönch genieße.

Von der Großen Scheidegg zum First

Nach einer kurzen Pause mache ich mich von der Großen Scheidegg aus auf den Weg zum First. Schließlich liegen bis zum Faulhorn, auf dem ich heute Nacht schlafen will, noch 12 Kilometer und 800 Höhenmeter vor mir. Der nächste Teilabschnitt hinüber zum First ist einfach zu begehen. Auf dem 5,7 Kilometer langen Höhenweg, der in leichten Auf- und Abpassagen zum First führt, genieße ich die atemberaubende Panoramasicht auf die Berner Alpen, die mich auf dem Weg begleitet. Die Artenvielfalt der hiesigen Alpenflora tut ihr Übriges dazu.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Am First angekommen entdecke ich den First Cliff Walk, einen errichteten Skywalk über dem Abgrund, der einen Blick auf die verschneiten Viertausender bietet und die Gäste ebenso anzieht wie der First Flyer oder der First Glider, mit denen man an einem Stahlseil hängend talwärts durch die Luft hinunter nach Schreckfeld sausen kann. Für mich ist das nichts, zumindest nicht am heutigen Tag. Ich habe ein anderes Ziel und will, nachdem es am Morgen noch sehr sonnig ist, zeitig auf dem Faulhorn sein. Schließlich sind für den späten Nachmittag Regenschauer und auch vereinzelte Gewitter angesagt.

Zum Bachalpsee und bis auf‘s Faulhorn

Am First stelle ich schnell fest: Es ist wie überall in den Bergen, auf die eine Seilbahn hinaufführt – es ist unglaublich viel los. Die Ruhe, die ich auf den ersten Teilabschnitten der Tour genieße und die ich auch später wiederfinden werde, habe ich hier kurzzeitig nicht. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die zuvor genannten Touristenattraktionen am First geschaffen wurden, zum anderen aber auch damit, dass der oberhalb der Bergstation gelegene Bachalpsee als beliebtes Postkartenmotiv gilt, der schon die Kulisse für verschiedene Filme, unter anderem die Star-Wars-Saga, bildete.

First Grindelwald Berner Alpen

Anzutreffen sind hier auch auffallend viele asiatische Touristen. Man hört aber auch immer wieder Leute Spanisch, Italienisch oder andere Sprachen sprechen, die ich den Ländern nicht zuordnen kann. Deutsch wird hier wenig gesprochen. Schmunzeln muss ich auch über die vielen Touristen, die hier in Turnschuhen und Sneakers unterwegs sind. Was grundsätzlich in den Bergen eigentlich ein No-Go ist, ist hier nicht weiter problematisch, denn der Weg hinauf zum Bachalpsee ist breit ausgebaut. Wem der Weg zu breit ist, der kann nach einigen hundert Metern auf einem etwas höher gelegenen Wiesenpfad zum Bachalpsee wandern.

Ich komme schließlich am idyllischen Spiegelsee an, der aus zwei Teilen besteht und durch einen kleinen Naturdamm getrennt wird. Hier tummeln sich die Massen, weshalb ich am Ostufer des Sees weitergehe und mir einen deutlich ruhigeren Platz zur Rast am See suche. Das Wasser ist hier kristallklar, und das Panorama auf die mit ewigem Eis bedeckten Berge – den Eiger (3.967 m), den Mönch (4.110 m), die Jungfrau (4.158 m), das Wetterhorn (3.690 m), das Schreckhorn (4.078 m) und das Finsteraarhorn (4.274 m) – ist gigantisch. Kein Wunder, dass hier so viel los ist.

Bachalpsee First Grindelwald Berner Alpen

Nach einer Stunde gehe ich weiter, schließlich ziehen am Himmel mittlerweile dunkle Wolken auf, sodass das Faulhorn, das nicht mehr weit entfernt ist, im Nebel nicht zu erkennen ist. Nach dem Bachalpsee bin ich wieder mehr oder weniger allein auf dem Wanderweg hinauf zum Faulhorn. Er führt vorbei an der Burgihitta zum Gassenboden, ehe das Wetter langsam wieder etwas aufreißt und ich plötzlich das Berggasthaus Faulhorn entdecke. Ein steiler letzter Anstieg führt hinauf zu meinem Tagesziel, ehe fast 19 Kilometer und 1.700 aufsteigende Höhenmeter geschafft sind.

Übernachtung im Schlafsaal auf dem Faulhorn

Oben angekommen werden die ohnehin noch präsenten Kindheitserinnerungen klarer und klarer. Ich genieße den Ausblick, bestelle mir auf der Terrasse ein wohlverdientes Radler und schwelge in Erinnerungen. Das Berggasthaus wird auf einer Höhe von 2.681 Metern im Jahr 1832 erbaut und ist eines der ältesten Berggasthäuser in den Alpen. Der oberhalb des Gasthauses gelegene Gipfel gilt für viele als der schönste Panoramaberg des Berner Oberlandes und bietet einen beeindruckenden Rundblick, der vom Thuner- und Brienzersee bis in die Vogesen und den Schwarzwald reicht.

Faulhorn Übernachten Hütte

Zum Sonnenuntergang gehe ich die wenigen Schritte noch einmal hinauf, auch wenn die Wettervorhersagen nicht die besten sind. Zuvor mache ich mich aber frisch und beziehe anschließend im Matratzenlager mein Bett (ÜF für 80 CHF). Wer ein bisschen mehr Privatsphäre mag und frühzeitig dran ist, kann aber auch eines der neun Zimmer buchen (115 CHF).

Gut zu wissen ist, dass es auf dem Faulhorn keine Duschen gibt. Hier kann man sich lediglich im Waschraum waschen und frisch machen. Das ist aber in Anbetracht der Wasserversorgung auf dem Gipfel mehr als verständlich. Wir befinden uns schließlich inmitten der Hochalpen und nicht in einem schicken 5-Sterne-Wellnesshotel. Auch die Lebensmittel können nur bei ausreichend Sicht mit dem Helikopter auf den Gipfel geflogen werden. So ist es in den Bergen eben: alles ein bisschen einfacher und anders, aber wunderschön.

In der Gaststätte, die sich in einem anderen Gebäude als die Zimmer und das Matratzenlager befindet, esse ich zu Abend und komme schnell mit anderen Wanderern ins Gespräch. Danach begebe ich mich rechtzeitig auf den Gipfel, um den Sonnenuntergang zu erleben. Aufgrund der dichten Wolken ist er heute leider nicht spektakulär, ein bisschen blitzt die Sonne dann aber doch noch hervor, ehe sie in der Ferne hinter den Bergen verschwindet und die Dämmerung einsetzt. Ich begebe mich ins Matratzenlager und schlafe ein.

Faulhorn Wanderung | Erste Etappe:
Grindelwald – Große Scheidegg – First – Bachalpsee – Faulhorn
18,7 Kilometer, 1.700 aufsteigende Höhenmeter, 50 absteigende Höhenmeter

Faulhorn Berner Alpen Wanderung

Zweite Etappe: Vom Faulhorn auf die Schynige Platte

Am nächsten Morgen regnet es. Ich habe mir extra früh den Wecker gestellt, um den Sonnenaufgang zu sehen, doch allzu große Hoffnungen, diesen vom Gipfel erleben zu können, habe ich ohnehin nicht. Denn am Vorabend ist bereits für den Morgen Regen angesagt. Leider bewahrheitet sich dies nun, sodass ich noch ein bisschen schlummern kann.

Nach dem Frühstück packe ich meine Sachen und checke kurz den Wetterbericht, der nach dem Regen in den frühen Morgenstunden im Laufe des Vormittags ausbleibende Niederschläge prognostiziert. Was ich beim Abstieg vom Faulhorn nur hoffe, tritt wenig später ein. Rund eine halbe Stunde nach Beginn meiner Wanderung hört der Regen auf, und ich habe das Gefühl, dass es mit ein bisschen Glück heute vielleicht noch etwas sonnig werden könnte.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen Matthias Kupferschmidt Schwarzwald

Der schmale Pfad, der mich am zweiten Tag meiner Tour auf 11,7 Kilometern zumeist talwärts zur Schynigen Platte führen soll, verläuft über sanfte Grate und vorbei an blumenreichen Alpweiden. Gleich zu Beginn erhasche ich noch einmal einen Blick auf den Brienzersee, ehe das Panorama ständig zwischen schroffen Gipfeln und grünen Mulden hin- und herwechselt.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Von hier führt der Höhenweg hinunter Richtung Schynige Platte über den Sattel Männdlenen, die Egg, durch das Güwtürli, vorbei am Loucherhorn und der Alp Oberberg bis zur Bergstation Schynige Platte (1.987 m). Der Weg ist gut markiert, fordert aber Aufmerksamkeit und Trittsicherheit auf steinigen Passagen.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Besonders beeindruckend ist die karge Karstlandschaft des Güw mit vereinzelten Fichten. Kurz vor der Schynigen Platte lohnt sich ein Abstecher auf das Oberberghorn (2.069 m) beziehungsweise die Tuba (2.076 m), denn von den beiden genannten Gipfeln hat man jeweils einen herrlichen Blick auf den Thunersee, Interlaken und den Brienzersee. Über den Grat und umgeben von blumenreichen Bergmatten gelange ich schließlich zum Alpengarten auf der Schynigen Platte, in dem es rund 600 Bergblumen in ihrer natürlichen Umgebung zu entdecken gibt.

Schynige Platte Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Rückweg von der Schynige Platte nach Grindelwald

Nach einem kurzen Aufenthalt im Alpengarten und an der Bergstation der Zahnradbahn kaufe ich mir ein Ticket für die Talfahrt. Wer will, kann nach Wilderswil auch hinunterlaufen. Gelenkschonender ist aber sicherlich die 7,25 Kilometer lange Fahrt hinunter nach Wilderswil. Allein sie ist eigentlich schon ein besonderes Erlebnis, denn unterwegs beeindruckt die Vielfalt der Natur durch dichte Wälder, hochgelegene Alpweiden und die grandiose Aussicht auf die berühmten Landschaften des Berner Oberlandes.

Faulhorn Wanderung Berner Alpen

Von Wilderswil nehme ich anschließend den Zug nach Grindelwald, wo ich am Fuße der Eiger-Nordwand nach 30 Minuten wieder ankomme. Hier endet meine eindrucksvolle Tour, ehe ich mich auf die Heimfahrt in den Schwarzwald begebe.

Faulhorn Wanderung | Zweite Etappe:
Vom Faulhorn auf die Schynige Platte
11,7 Kilometer, 230 aufsteigende Höhenmeter, 950 absteigende Höhenmeter

Faulhorn Wanderung | Hinweis & Tipp

Auf vielen Tourenportalen ist die von mir beschriebene Wanderung in die entgegengesetzte Richtung zu finden. Das ist auch vielleicht die schönere Variante, tut sich einem dann stets der Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau auf. So hat man das Dreigestirn seltener im Rücken, sondern stets im Sichtfeld. Da ich aber beim Absteigen von den Bergen recht schnell Probleme in den Knien bekomme, habe ich mich für den langen Anstieg von Grindelwald über die Große Scheidegg und den First entschieden. Egal, in welche Richtung man geht – die Blicke sind atemberaubend und die Tour ein unvergessliches Erlebnis.

Einen weiteren Artikel über die Region gibt es hier: Jungfrauregion – Grindelwald, Berner Alpen und Top of Europe. Nützliche Tipps zum Faulhorn findest du auch auf der offiziellen Website der Region.

Hast du weitere Tipps für die Berner Alpen? Dann ergänze sie gerne in den Kommentaren.

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Matthias Kupferschmidt
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