Beziehungen ohne Grenzen – ein Lesetipp

Quelle: Heyne Verlag

[Buchtipp] Beziehung ohne Grenzen: Fürs Reisen gibt es viele gute Gründe, und wenn es heutzutage heißt, die Welt sei ein Dorf, dann meint das in der Regel, dass es – egal ob in privater oder beruflicher Hinsicht – einfach wie nie geworden ist, andere Länder und Kulturen kennenzulernen und dabei möglicherweise sogar mehr als berufliche Partnerschaften oder neue Freundschaften zu schließen. Die Liebe überwindet ja bekanntlich alle Grenzen, und in der heutigen Zeit – mit Schlagworten wie »Globalisierung« etc. – ist ein Begriff wie »Fernbeziehung« längst in den Alltagsgebrauch übergegangen. Doch auch wenn der Begriff und das, was dahinter steckt, nicht unbedingt neu ist, so beschäftigt man sich in der Regel nicht unbedingt damit, welche Schwierigkeiten und Problematiken hinter Beziehungen und Paaren stehen, deren Partner jeweils aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen stammen. Oberflächlich gesehen denkt man vielleicht noch an Sprachschwierigkeiten oder kulturelle Missverständnisse, doch ist die Thematik weitaus komplexer.

Nicole Basel und Marike Frick haben sich in ihrem Buch »Tapas zum Abendbrot« der Thematik ausgiebig angenommen. Und kenntnisreich zudem, denn die Autorinnen wissen, wovon sie schreiben: Nicole Basel, 1980 geboren, arbeitet als freie Journalistin und ist mit ihrem dänischen Lebensgefährten in Kopenhagen sesshaft. Marike Frick, ebenfalls 1980 geboren, lebt mit ihrem spanischen Ehemann in Hamburg und sie ist als freie Autorin tätig.

Beziehungen ohne Grenzen – Partnerschaften mit interkulturellem Blick

Eingebettet in ihre jeweils eigene Fernbeziehungsgeschichte entfalten die Autorinnen auf 320 Seiten quasi das gesamte Spektrum an Problemen und Problemchen, die eine solche internationale Beziehung mit sich bringen kann. Das Buch beinhaltet dabei acht Kapitel, die wiederum in kürzere Abschnitte unterteilt sind, und die das breite Themenspektrum von Sprache über Bürokratie bis zur Religion und manches mehr wie beispielsweise die Sicht der Eltern umfassen. Das Ganze ist dabei ziemlich unterhaltsam und amüsant geschrieben, man könnte es beinahe als Roman lesen, wenn man nicht wüsste, dass die Autorinnen nicht nur die eigenen Erfahrungen, sondern in erster Linie die in Interviews gewonnenen Erkenntnisse verschiedenster internationaler Paare ausgewertet haben und in ihren Bericht mit einfließen lassen.

Das Buch wirkt über weite Strecken zwar romanhaft und unterhaltend, jedoch fehlt es ihm nicht an der gebotenen Ernsthaftigkeit und die Autorinnen klammern auch schwierige, teils mit Tabus oder Vorurteilen behaftete Themen wie etwa Religiöses oder Moralisches nicht aus. Ein Sachbuch oder Ratgeber im strengen Sinne ist »Tapas zum Abendbrot« allerdings nicht. Es fehlt dem Buch zwar nicht an entsprechenden Einschüben, bei denen Tipps gegeben werden oder Experten zu Wort kommen. Allerdings, und das ist das einzige Manko, wäre es wünschenswert gewesen, wenn im Anhang Literaturhinweise oder andere weiterführende Informationen aufgeführt worden wären. Doch dies könnte in einer – dem Buch zu wünschenden – Nachauflage ergänzt werden.

Beziehungen ohne Grenzen – Deutsche im Ausland

Ein ganzes Kapitel widmen die Autorinnen übrigens dem Thema »wie deutsch wir doch sind«, und somit der Thematik, wie sich der Deutsche selbst im Ausland sieht bzw. wie er dort wahrgenommen wird. Das mag so manchem Leser neue Erkenntnisse über sich selbst bescheren, ob er nun in einer internationalen Beziehung steckt oder nicht.

An der Alltagssprache erkennt man oft schon kulturspezifische Befindlichkeiten. So ist es in Frankreich beispielsweise üblich arabisch-französische Paaren den Spitznamen »Couscous-Pommes frites« zu verleihen. Und vielleicht trägt das Buch auch dazu bei, dass es wie in anderen Ländern üblicher, auch hierzulande selbstverständlicher wird, sich mit der Thematik »internationale Beziehungen« auseinanderzusetzen; möglicherweise frei nach dem Buchtitel, evtl. dann mit Spitznamen wie »Tapas-Sauerbraten«.

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Nicole Basel und Marike Frick. Tapas zum Abendbrot – wie man eine internationale Beziehung (über)lebt. Heyne Verlag. München 2012. ISBN: 9783453602281

Du hast Erfahrungen gesammelt über Beziehungen im Ausland? Dann schreibe uns deine Erlebnisse, hier oder an info@people-abroad.de.

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Gerhard Huber

Ich habe in Regensburg Religionswissenschaft mit den Schwerpunkten süd- und nordamerikanische Ethnologie, Germanistik und Kunstgeschichte studiert. Als freier Autor arbeite ich im literarischen Bereich, vor allem im Science-Fiction- und Fantasy-Genre. Reisethemen finde ich meist in Europa, vor allem auf den Inseln im Mittelmeer. Kontakt: g.huber@people-abroad.de
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