Mein USA-Trip: Im Tal des Feuers

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Glühend rote Felsformationen und bizarre Gebilde aus Sandstein, die sich vor 150 Millionen Jahren aus riesigen Wanderdünen gebildet haben. Im dritten und letzten Teil ihrer Reise schreibt Steffi über ihren Tripp im Tal des Feuers im Südwesten der USA. Der Nationalpark nordöstlich von Las Vegas ist der größte und älteres Park im US-Bundesstaat Nevada und wurde im Jahr 1935 eröffnet. Steffi im Tal des Feuers.

Wir nehmen die Straße über Flagstaff in Richtung Sedona. Der atemberaubende Abstieg von etwa 2500 Fuß Höhenunterschied lässt unseren Wortschatz auf ‚Wow!’, ‚Krass!’ und ‚Hammer!’ zusammenschrumpfen. Die Straße windet sich durch weite Schluchten, die von dunkelgrünen Bäumen und tiefroten Felsen gesäumt wird. Ein Bachlauf begleitet uns. Das Wasser plätschert ruhig zu Tal, gesäumt von wunderschönen Häusern, die man durch das frische Frühlingsgrün der Laubbäume erahnen kann. Dann sind wir da: Sedona. Der Name klingt wunderbar und zergeht mir förmlich auf der Zunge. Man könnte meinen, Sedona sei ein indianisches Wort für irgendetwas Wunderbares, vielleicht ein Ausdruck tiefer Freude oder des Glücks. Weit gefehlt – oder auch nicht, es kommt auf die Perspektive an.

Herr Schnebly, der einst die Stadt gründete, suchte lange vergeblich nach einem Namen. Das meiste, was ihm einfiel, wie zum Beispiel ‚Oak Creek Town’, ist schlichtweg zu lange. Seine Frau ist mit dem gemeinsamen siebten Kind schwanger. Eines Nachts träumt sie, der Name des Ungeborenen solle sich aus dem jeweils ersten Buchstaben der anderen Kinder zusammensetzen. Und so heißt die Stadt heute S-E-D-O-N-A.

Merry-go-round und Golden Eagles

Der Großteil der Stadt ist touristisch orientiert. Sie ist bekannt für ihre elektromagnetischen Schwingungen und – für den spirituell Aufgeschlossenen – für ihre übersinnliche Energie. Man findet deshalb auch an jeder Ecke einen Hellseher, Kartenleger, Aurafotografen oder Händler für Kristalle aller Art. Ich bin aufgeschlossen genug, einen Blick hinter diese Fassade zu werfen. Ich erkenne, was die Stadt, die viele Künstler und spirituelle Menschen anziehend, ausmacht. In einem offenen Jeep mache ich mich mit meiner Reisebegleitung auf den Weg ins Hinterland. Wir erklimmen einen ausgewaschenen Pfad die Red Rocks hinauf bis zu einer Formation, die ‚Merry-go-round’ (für Karussell) genannt wird. Wieder haben wir außerordentliches Glück mit unserem Guide. Er verfügt über ein profundes Wissen über Flora und Fauna und lässt uns gerne daran Teil haben. Die Natur ist einzigartig und wunderschön. Wir haben nochmals Glück und sehen einen der seltenen Golden Eagles. Da bleibt mir dann schon mal der Mund offen stehen. Danach geht es wieder zurück. Für meinen Geschmack hätte diese Tour deutlich länger sein können, zwei Stunden sind fast zu wenig. Mein Rücken dankt es mir allerdings…

Unser Weg führt uns wieder in den Westen Richtung Las Vegas. Vegas, Baby! Nein, nicht direkt ins Zentrum. Wir übernachten in Henderson im Holiday Inn. Das Hotel ist eine Bettenburg, das Zimmer jedoch überraschend modern eingerichtet und das Bad blitzblank. Hier kann ich mir den Staub der Reise genüsslich mit einem dicken Strahl heißen Wassers abspülen. Es gibt auch einen Pool mit Jacuzzi, aber es ist für meinen Geschmack zu kalt und windig an diesem Abend. Das Bett ist bequem, erholsamer Schlaf möglich. Unser Zimmer ist neben dem Aufzug. Es ist aber so gut isoliert, dass man nicht gestört wird. Auch die anderen Gäste hört man nicht. Das Frühstück ist breit gefächert und sehr lecker. Warme Zimtschnecken, frische Pancakes, verschiedene Brotsorten, Würstchen, Rührei… alles, was das Herz begehrt. Natürlich kann man das nicht mit der privat geführten Pension in Bluff vergleichen. Aber selbst verschiedene Obstsorten werden angeboten.

Das Ein- und Auschecken geht schnell und unkompliziert. Da wir über booking.com gebucht haben, ist auch alles bereits bezahlt. Wir beladen unser rotes Gefährt und reiten gen Valley of Fire. Das Valley of Fire liegt etwa 40 Meilen nördlich von Las Vegas. Es ist selbst erfahrenen USA-Touristen oftmals unbekannt, dabei ist es recht gut ausgeschildert. Es liegt im Reservat etwa elf Meilen abseits der Interstate 15. Man sollte mit gefülltem Tank hinfahren. Es existiert eine Tankstelle direkt an der Abzweigung von der Interstate. Hier wird allerdings 40 Cent pro Gallone mehr verlangt als anderswo. Sogar in Las Vegas direkt ist der Sprit günstiger, aber immer noch „Peanuts“ gegen deutsche Benzinpreise. 7/11 ist die günstigste Tankstelle, vergleichbar mit unseren unabhängigen Tankstellen.

Im Tal des Feuers – in the Valley of Fire

Ich im Tal des Feuers… Am Eingang wird eine Gebühr verlangt (10 Dollar/Auto), man kann mit Karte bezahlen oder in Cash. An einem Sonntag kommen viele Ausflügler, da ist es praktisch, das Geld in bar parat zu haben. 5-Dollar-Scheine sind gerne gesehen. Man bekommt dafür einen Zettel für die Windschutzscheibe und eine Skizze, wo welche Attraktionen zu finden sind. Dann geht es auch schon los. Ich wünsche mir ein zweites Paar Augen, um alle Eindrücke gleichzeitig aufzunehmen. Zuerst fahren wir zum Visitor Center. Es hat einen kleinen Shop und viele Informationen über Tiere und den Park, außerdem gibt es kostenfreies Wasser, mit dem man seine Flaschen auffüllen kann. Wasser und Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor sind außerordentlich wichtig, denn es handelt sich hier um eine Wüste! Durch das trockene Klima schwitzt man nicht. Der Körper verbraucht trotzdem viel Wasser und muss deshalb ausreichend damit versorgt werden.

Es empfiehlt sich viel Zeit einzuplanen. Wir benötigen den ganzen Tag, um alles anzusehen. Ich für meinen Geschmack hätte auch gerne noch einen weiteren Tag hier verbracht. Der Mund bleibt mir offen stehen vor solcher Schönheit. Felsformationen in allen Farben des Regenbogens türmen sich vor mir auf. Es ist zum ersten Mal auf dieser Reise wirklich warm, stellenweise sogar heiß. Das Licht ist sanft, überhaupt nicht grell. Wir laufen den Trail an den White Domes hinunter. Es ist ein mittelschwerer Abstieg, mit ordentlichem Schuhwerk auch für Kinder und ältere Menschen geeignet. Das ist durchaus ernst gemeint, viele Senioren klettern hier unermüdlich durch Sand und Steine. Aber alle, wirklich alle haben Wasserflaschen dabei!

Nach ein paar hundert Metern verlaufen sich die Massen. Ich setze mich vor einem Canyon auf einen Stein etwas abseits des Trails und komme zur Ruhe. Es ist so still, die Stille hüllt mich ein. Sie umarmt mich wie eine weiche Decke. Tief atme ich sie ein, so dass sie auch in mich hineinströmt. Der Trail ist gut markiert, trotzdem schaue ich reflexartig immer wieder auf den Boden und in die kleinen Büsche am Wegesrand. Laut Touristenzentrum gibt es hier Klapperschlangen und Skorpione. Mir sind keine begegnet, aber sicher ist sicher. Ich trage Wanderschuhe, die über die Knöchel reichen, auch wenn meine Füße ein bisschen warm werden. Unser nächster Halt ist der Elefant Rock. Wie ein Wesen aus der Zeit der Dinosaurier steht er da mit seinem Rüssel aus Stein – beeindruckend. Natürlich klettere ich hoch. Mit etwas Mut und Geschick ist das für jeden möglich.

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Coyote und Schlange im Tal des Feuers

Tief beeindruckt haben mich auch der Petroglyph Trail und Mouse’s Tank. Die Felszeichnungen sind für jeden erkennbar entlang dieser Strecke. Mögliche Interpretationen werden am Anfang auf einer Tafel erklärt. Die Zeichnungen erklären sich meiner Meinung nach irgendwie von selbst. Es handelt sich um tanzende Menschen und verschiedene Tierarten wie Coyote, Bockshornschaf und Schlangen. Mouse’s Tank hat eine besondere Geschichte. Es handelt sich um ein natürliches Wasserbecken ohne Zu- oder Abfluss im Tal des Feuers. Regnet es, steigt der Wasserpegel in dem etwa zwei auf einen Meter großen Steinbottich. Ist es trocken, verdunstet kaum etwas durch den Fels, der wie ein Trichter wirkt. Vor einiger Zeit hat sich ein Einheimischer hier vor der Polizei versteckt. Er konnte überleben, weil er im Mouse’s Tank einen ausreichenden Wasservorrat hatte…

Der Park ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet. Wir warten, bis die untergehende Sonne die Felsen in feuriges, lebendiges Rot taucht. Ich fühle mich förmlich in dieses Feuer hineingezogen. Die Felsen im Tal des Feuers scheinen durch die vielen ausgewaschenen Löcher Flammen zu atmen. Von jetzt auf gleich ist das Schauspiel vorbei. Die Dämmerung setzt ein und mit ihr kommen viele Vogelarten zum Vorschein, die sich an Fluginsekten oder Blütennektar laben. Ja, hier gibt es Wüstenkolibris!

Langsam gehen wir zum Auto zurück. Das Besucherzentrum schließt früh, schon um fünf Uhr. Zum Glück gibt es auf jedem Parkplatz Toilettenhäuschen, allerdings sind sie nichts für geruchsempfindliche Menschen… Positiv aufgefallen ist mir allerdings, dass sich alle Menschen an diesen Toiletten orientieren. Hier gibt es keine Wildpinkler! Auf der Rückfahrt zum Flughafen ist es schon dunkel. Las Vegas taucht als gleißendes Lichtermeer hinter den Bergen auf – beeindruckend und gleichzeitig auch erschreckend nach der Stille im Tal des Feuers.

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Back in Vegas

Dank Navigationssystem finden wir die Autovermietung schnell. Die direkt angrenzende Tankstelle verlangt nochmals 40 Cent/Gallone mehr als die Tankstelle in der Wüste. Wir suchen und finden ein 7/eleven, wo wir unseren Tank befüllen. Schweren Herzens verabschiede ich mich von dem treuen Gefährten, dem Traum in rot-metallic. Die Fahrt zum Flughafen verläuft zügig und problemfrei. Wir sind sehr gut in der Zeit. Zum Glück, denn vor den Schaltern des Autovermieters befindet sich eine kilometerlange Warteschlange. Es dauert fast eine Stunde, bis wir an der Reihe sind. Die Dame am Schalter wiegt unseren Koffer, für zwei Personen sind lediglich 20kg erlaubt. Sie sagt, dass sonntags die meisten Reisenden zurück nach Hause wollen. Ich frage mich noch, warum dann nur vier von acht Schaltern geöffnet sind…

An der Personenkontrolle ist die Schlange noch länger, aber die Angestellten vom Flughafen arbeiten zügig. Es dauert nur knapp 20 Minuten, bis wir und unser Handgepäck durchleuchtet sind. Der Rückflug zieht sich und es ist wieder eng, aber wir landen wohlbehalten in der Heimat.

Diese Reise hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Die Eindrücke und wunderbaren Momente ließen kleinere Pannen schnell vergessen. Ob ich diese Reise empfehlen kann? Ein eindeutiges „JA“! Vor der Buchung hat es sich gelohnt ein bisschen zu recherchieren und Preise zu vergleichen. Monument Valley, Sedona und Valley of Fire sind auf jeden Fall eine Reise wert. Besonders im Tals des Feuers war es klasse. Pferdeliebhaber können ihrer Leidenschaft an zahlreichen Orten frönen. Und der spirituell interessierte Reisende kann erhebende Momente im Schatten der Red Rocks erleben.

Die Welt ist voller Abenteuer, die es zu erleben gilt…

Hier schreibt Steffi über den Start ihrer Reise: Durch den Südwesten der USA

Teil 2 der Reise gibt’s hier: Mit dem Pferd im Monument Valley

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2 Antworten zu “Mein USA-Trip: Im Tal des Feuers

  1. […] Teil 3 gibt’s hier: Steffi im Tal des Feuers […]... people-abroad.de/blog/durch-den-suedwesten-der-usa
  2. […] Teil 3 der Reise gibt’s hier: Steffi im Tal des Feuers […]... people-abroad.de/blog/mit-dem-pferd-im-monument-valley

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