Mit dem Pferd im Monument Valley

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Mit dem Auto in den USA zu fahren ist eine echte Herausforderung. Rechts Überholen ist legal und Geschwindigkeits-Begrenzungen werden gnadenlos kontrolliert. Die Highway-Patrol scheint hinter jedem Hügel und Schild zu stehen. So kommt es mir jedenfalls vor. Sogar unser Navi motzt. Nachdem wir den Großraum Las Vegas verlassen haben wird es ruhiger und gechillter. Unser Ziel: Mit dem Pferd im Monument Valley reiten. 

Mit dem Pferd im Monument Valley

Gerne würden wir den Geschwindigkeitsregler einstellen, doch das gelingt uns nicht. Wir müssen uns öfter die weibliche Stimme anhören, die uns mit ‚Achtung!’ wieder einmal warnt, dass wir zu schnell unterwegs sind. Wir haben eine achtstündige Fahrt vor uns. Wir durchqueren dabei die Bundesstaaten Nevada, Arizona und Utah. Die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft lässt die Zeit wie im Flug vergehen. Alle paar Meilen gibt es etwas neues, aufregendes zu sehen. Von jetzt auf gleich ändert sich manchmal die komplette Fauna. Eben noch in der sandigen, strauchbewachsenen Halbwüste, plötzlich fährt man durch dichten Kiefernwald bei Flagstaff. Danach ändert sich die Landschaft wieder zu steinigem Boden mit niedrigen Zedern.

Nahe an unserem Ziel eröffnet sich uns die weite Hochebene des Monument Valley. Man fährt über einen letzten Hügel, dann entfaltet sich die weite Wüstenlandschaft vor uns. Ich atme tief ein und komme mir winzig vor. Die riesigen Steinformationen leuchten in der Abenddämmerung tiefrot auf mich herunter. Ich war schon mehrfach hier, trotzdem bekomme ich eine Gänsehaut. Ich fühle, wie sich mein Herz öffnet. All meine Sinne saugen diesen Augenblick ein.

Ich fühle, sehe, rieche und schmecke diesen Anblick intensiv mit meinem ganzen Körper. Aus den Felsen scheinen Gesichter und Wesen herauszutreten. Sie beobachten und begrüßen mich. Ich lächle und bin einfach nur dankbar, dass ich hier sein darf. Niemand, kein Film, kein Foto, keine Beschreibung kann vermitteln, wie sich das anfühlt. Man muss es selbst gesehen haben, um die Großartigkeit dieser Landschaft zu erfassen.

Monument Valley National Park

Unsere Unterkunft liegt etwa 40 Meilen hinter dem Monument Valley National Park, vorbei am Sant José Creek und am Mexican Hat. Wir kommen nach Bluff, einem kleinen Dorf , das sich in eine Kurve an der Bundesstrasse schmiegt. Das Navi findet die Strasse nicht. Bluff ist aber zum Glück ein kleines Nest und so finden wir unsere Unterkunft, La Posada Pintada, schnell. Sie ist die zweite große und angenehme Überraschung des Tages. Wie bei unserem Auto erwartet uns auch hier ein tolles Upgrade. Das Zimmer ist riesig und wunderschön. Man erkennt in jedem Detail, das es mit Liebe und Hingabe eingerichtet ist. Es ist sauber und das Bad geräumig. Nach einer heißen Dusche fallen wir erschöpft und glücklich in unsere Betten.

Das Frühstück am nächsten Morgen ist eine weitere Überraschung. Selbstgebackenes Brot, gekochte Bio-Eier, starker Kaffee und jede Menge weiterer Köstlichkeiten erwarten uns. Wir sitzen auf der Terrasse und lassen es uns beim Anblick einer in allen Rottönen schimmernden Felsformation gut gehen. Die Sonne scheint und die Vögel zwitschern. Das Leben ist wunderbar.

Wir sind ausgeruht und so ist die Fahrt zurück zum Monument Valley National Park kurzweilig. Es gibt soviel zu sehen! Mein Mund ist vor Staunen weit geöffnet, am liebsten würde ich alle paar Meter anhalten und ein neues, fantastisches Foto schießen. Aber irgendwann vergesse ich dieses Bedürfnis. Meine Augen sind die beste Kamera, diese Momente einzufangen und zu genießen.

Sandige Felsen fließen rosa, gelb, rot, braun und dann wieder mit grün vermischt wie Wellen über das Land. Dazwischen blühen unauffällig gelbe Kamille, rote ‚Indian Brush’ und lilafarbene Sträucher. Bei näherem hinsehen leuchten sie prachtvoll und ich frage mich, wie ich so einfach über sie hinwegsehen konnte. Aber die Eindrücke sind einfach so intensiv, meine Augen übervoll.

Mit dem Pferd im Monument Valley

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Wir haben bei Sacret Tours eine Tour mit dem Pferd im Monument Valley gebucht. Am Visitor Center angekommen erwartet uns schon ein Jeep. Der junge, gutaussehende Mann hinterm Steuer freut sich, dass wir pünktlich sind. Er trägt einen weißen Cowboyhut über langen, pechschwarzen Haaren. Mit seiner höckrigen Nase, den mandelförmigen Augen und der honigfarbenen Haut entspricht er dem klischeehaften Bild des typischen Native American. Er ist sehr freundlich. Wir haben noch etwas Zeit und da noch eine andere Gruppe unterwegs ist, schlägt er uns vor, dass wir uns noch eine Weile im Besucherzentrum umsehen. Wir nutzen die Gelegenheit, um vor dem langen Ritt die Toiletten aufzusuchen. Kurz darauf treffen wir uns wieder am Jeep und wir fahren zu der Koppel.

Der Mann erklärt uns, dass uns ein anderer Guide begleiten wird, da er vor kurzem einen Reitunfall hatte. Er fiel vom Pferd und wurde von diesem attackiert. Da er keine Krankenversicherung hat, wurden seine inneren Blutungen und die gebrochenen Rippen im Krankenhaus notdürftig versorgt. Er bekam ein paar Tabletten und wurde wieder heimgeschickt. Ich bin froh, dass das Pferd nicht mehr bei ihnen ist. Noch dankbarer bin ich, dass ich in Deutschland durch eine gesetzliche Krankenversicherung so gut versorgt bin. Die Pferde sehen wohlgenährt aus. Brav lassen sie sich aus der Koppel holen und bürsten.

Beim Satteln und Trensen sind sie ruhig und entspannt, jedoch keinesfalls teilnahmslos. Im Gegenteil, ganz interessiert schnüffelt mich mein Fuchswallach Navy ab. Er ist nicht besonders groß, aber sehr muskulös. Ich traue ihm locker zu, dass er mich sechs Stunden durch die Wüste tragen kann. Vermutlich hat er eine weit bessere Kondition als ich.

Navy ist der Hammer

Unser Guide stellt sich als Gerald vor. Er reitet einen zierlichen, zerbrechlich wirkenden Marmorschecken. Im Laufe des Tages stelle ich fest, dass dieses Pferd, was Temperament, Gangfreudigkeit und Kondition angeht, alle anderen locker in die Tasche steckt. Gerald ist zunächst geschäftsmäßig und distanziert. Beim ersten Galopp testet er unsere Sattelfestigkeit. Da wir nicht in ‚Wohnungsnot’ kommen, beschließt er, vom normalen Pfad abzubiegen. Es folgt eine Odyssee der etwas anderen Art. Ich muss in kurzer Zeit lernen, meine Ängste über Bord zu werfen.

Gerald stellt mich vor die Herausforderung, die Verantwortung an meinen vierbeinigen Gefährten abzugeben. Navy trägt mich trittsicher steilste Hänge herab, die ich nicht einmal zu Fuß gehen würde. Schmale Trampelpfade, an denen rechts und links tiefe Abgründe gähnen, läuft er gelassen entlang, während ich mich bibbernd an das Sattelhorn klammere. Nach einem 200-Höhenmeter dauernden Abstieg durchfluten Adrenalin und Serotonin meinen Körper. Ich strahle über das ganze Gesicht und fühle mich für einen Augenblick unbesiegbar!

Unsere Tour mit dem Pferd im Monument Valley führt uns vorbei an einer verlassenen indianischen Schwitzhütte und eingestürzten uralten Gebäuden. Gerald ist gleichzeitig gesprächig und respektvoll. Er erzählt uns etwas über die Pflanzen und Tiere in der Hochwüste des Tals und nennt uns die Namen der Felsformationen und deren Geschichte. Zwischendurch kommt er unserem Bedürfnis nach Stille nach und hält Abstand, damit wir einfach nur schauen und genießen können.

Nach und nach verlieren Zeit und Raum ihre Wichtigkeit. Ich befinde mich nur noch im Hier und Jetzt. Ich fühle den kraftvollen Gang von Navy unter mir, atme den Wind, spüre Sand und Sonne auf meiner Haut.

Zurück ins Camp

Der Sonnenuntergang am Ende des Ritts ist wegen ein paar Wolken nicht ganz so spektakulär wie gedacht. Ich überlasse mich daher ganz Navy, der mich kraftvoll und unbeeindruckt durch tiefen Sand die 200 Meter wieder bergauf trägt. Am Camp angekommen hat er gerade mal ein paar feuchte Haare unter dem Sattelgurt. Einmal mehr bewundere ich die Kondition dieses wunderbaren kleinen Pferdes. Ich kraule ihn dankbar hinter den Ohren, dabei bläst er mir mit halbgeschlossenen Augen seinen warmen Atem ins Gesicht.

Als ich ihn auf seine Koppel bringe, wartet schon sein Abendessen auf ihn. Bei diesem Anblick bin ich sofort vergessen. Ich gönne es ihm von Herzen. Gerald bringt uns zurück zu unserem Auto. Wir bedanken uns bei ihm mit einem großzügigen Trinkgeld, da wir wissen, dass er darauf angewiesen ist. Müde und hungrig lassen wir uns im Besucherzentrum einen gigantischen Burger mit Fritten schmecken, bevor es zurück nach Bluff geht. Mein Traum, mit dem Pferd im Monument Valley zu reiten, ging in Erfüllung.

Hier schreibt Steffi über den Start ihrer Reise: Durch den Südwesten der USA

Teil 3 der Reise – nach dem Tripp mit dem Pferd im Monument Valley – gibt’s hier: Steffi im Tal des Feuers

Mit dem Pferd durch das Monument Valley. #Reise #Reisetipps #USA #Reiseblogger #Amerika


2 Antworten zu “Mit dem Pferd im Monument Valley

  1. […] Teil 2 der Reise gibt’s hier: Mit dem Pferd im Monument Valley […]... people-abroad.de/blog/im-tal-des-feuers
  2. […] Hier schreibt Steffi über Teil 2 der Reise: Mit dem Pferd im Monument Valley […]... people-abroad.de/blog/durch-den-suedwesten-der-usa

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