Roadtrip durch den Südwesten der USA

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Steffi hat zwei Leidenschaften: Reiten und die USA. Schon länger hatte sie vor, beide Leidenschaften miteinander zu verbinden. Nun hat es geklappt, mit dem Reiten im Südwesten der USA. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Monument Valley, der Ebene der Navajo im Grenzgebiet der US-Bundesstaaten Arizona und Utah, die für ihre Tafelberge berühmt ist. Steffi unterwegs im Südwesten der USA.

Durch den Südwesten der USA – los geht’s…

Die Welt ist voller Abenteuer, die es zu erleben gilt. Eine Reise in die USA ist sicher eines davon. Das Einchecken ist schon ein Abenteuer für sich. Ich kehre wortwörtlich das Innerste nach außen und stehe strümpfig im Ganzkörperröntgengerät. Den langen Flug überstehen die Glücklicheren der zusammengepferchten Passagiere dann schlafend, satt und ruhig gestellt von einem üppigen Mahl. Die anderen können sich am zugegebenermaßen breitgefächerten Entertainment-Programm erfreuen. Wer Glück hat, macht es sich auf einem Fensterplatz gemütlich.

Der Start und die Landung sind aufregend, die vielen Stunden dazwischen eher langweilig. Sie dehnen sich endlos vor einem hin. Per GPS kann ich auf einem Bildschirm den Fortschritt beobachten, den das Flugzeug über den Atlantik nimmt. Das hilft nicht, denn es scheint sich überhaupt nicht zu bewegen. Ich vergesse schlichtweg, dass wir uns mit über 800 Stundenkilometern fortbewegen. Irgendwann beginnt dann endlich der Sinkflug. Ich habe das Gefühl, als holpere das Flugzeug über eine alte Landstrasse. Der Gedanke, dass wir uns in der Luft befinden, ist während des langen Fluges völlig abstrakt geworden. Unser Gefährt ruckelt und schwankt, längst sind sie Schilder zum Anschnallen aufgeflackert. Dann durchbrechen wir die Wolkendecke. Auf einem Schiff würde der Ausguck im Krähennest ‚Land in Sicht!’ rufen. Dem Himmel sei Dank. Es ist überstanden – fast…

Jetzt beginnt nämlich der aufregende Teil der Einreise. Lassen sie mich rein oder nicht? Die Menschenmasse vor der Homeland Security ist gewaltig. Von jedem einzelnen werden Fingerabdrücke genommen, jeder wird fotografiert. Jetzt bin ich dran. Mein ESTA-Einreisevisum habe ich dabei. Ich werde ausgefragt, wohin ich gehe und wie lange ich bleibe. Dann ringt sich der strenge Mann in Uniform ein kleines Lächeln ab und heißt mich in den Vereinigten Staaten von Amerika willkommen.

Weißwedelhirsche im Südwesten der USA

Die Stille ist so beruhigend. Mir als Großstädter fällt sie als erstes auf. Gehetzt von Arbeit und Verpflichtungen fällt der Stress mehr und mehr von mir ab. Erst jetzt merke ich, wie schwer der Alltag auf meinen Schultern lastet. Er löst sich und ich scheine zu wachsen, ich dehne mich aus. Meine Muskeln entspannen sich und ich ergötze mich am friedlichen Nichtstun. Ich sitze auf der Veranda meiner Freundin in Mount Airy in Maryland – nahe Baltimore – und wippe im Schaukelstuhl hin und her. Es duftet nach frisch gemähtem Gras. Ich kann mindestens fünf verschiedene Vogelstimmen um mich herum unterscheiden. Der Haustiger bringt seine Beute, einen kleinen Frosch, noch lebendig nach Hause. Ich bringe es nicht übers Herz, sie damit spielen zu sehen, lobe sie und entwende ihre Beute unauffällig. Nachdem sie im Haus mit Leckerlies abgelenkt ist, bringe ich den kleinen Hüpfer zum nahegelegenen Teich. Dabei scheuche ich ein Rudel Weißwedelhirsche auf. Es ist ein majestätischer Anblick, sie über die Wiese zum Waldrand eilen zu sehen.

Nach einer unfassbar erholsamen Nacht bin ich bereit für neue Eindrücke. Meine Gastgeberin lädt mich ein, mit ihr eine Einheit Sporttanz zu machen. So bereit bin ich dann doch nicht… sie setzt mich stattdessen am Shopping-Center ab. Wann hatte ich das letzte Mal Zeit und Muße dazu? Muss schon lange her sein. Ich schlendere durch verschiedene Läden. Die Vielfalt und Andersartigkeit der Produkte lässt mich lächeln, den Kopf schütteln und freudig Schnäppchen in meinen Einkaufskorb legen. An der Kasse bemerke ich dann, dass mein Geldbeutel in meiner Unterkunft liegen geblieben ist. Mit hochrotem Kopf entschuldige ich mich bei der Kassiererin. Trotz der Umstände, die ich ihr bereite, lächelt sie freundlich. Sie versichert mir, dass alles doch überhaupt kein Problem ist. Es fällt mir schwer, die ‚take-it-easy’-Mentalität zu akzeptieren, denn ich erkenne darin meine eigene Unzulänglichkeit.

Las Vegas is calling…

Weiter geht’s durch den Südwesten der USA. Die darauffolgende Nacht ist kurz. Meine Freundin und ich werden um 5:00 Uhr abgeholt, denn unser Flieger startet um 7:30 Uhr nach Las Vegas. Vegas, Baby!!! Der Inlandflug macht das Prozedere des Ein- und Auscheckens deutlich einfacher. Wir fliegen mit der günstigsten verfügbaren Airline, verzichten auf Handgepäck und trippeln nur mit einer Handtasche bewaffnet grinsend durch alle Kontrollen. Reisen könnte so einfach sein!

Ich habe viel Erfahrung mit Billig-Fliegern. Die Airline mit dem klangvollen Namen „Spirit“ stellt dabei einen traurigen Negativ-Rekord auf. Bei Ryanair ist es schon eng. Hier kommt man sich jedoch wie die sprichwörtliche Sardine in der Büchse vor. Die Sitze sind Gartenstühle mit Kunstleder bezogen und man kann sie nicht verstellen. Eine unbequemere Sitzmöglichkeit habe ich bis dato noch nicht erlebt, nicht einmal die Bänke in einem Biergarten. Ein kleines Wasser kostet 3 Dollar. Alles andere entsprechend mehr. Viereinhalb Stunden Flug können sich tatsächlich länger anfühlen wie acht Stunden über den Atlantik! Aber auch diese Erfahrung geht vorrüber. Der Anflug auf Las Vegas entschädigt für die Strapaze. Die Stadt liegt wie eine riesige Moosflechte zwischen den Bergen in der Wüste. Die Hotels und Gebäude, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, tauchen bei der Landung direkt neben dem Flughafen aus der flirrenden Hitze auf. Ich bin gegen meinen Willen beeindruckt und ein bisschen aufgeregt…

Ein Traum in rot-metallic

Der Mietwagen, den wir bei Sixt über den ADAC gebucht haben, wartet nicht am Flughafen auf uns. Wir müssen mit einem Shuttlebus zur Mitwagen-Zentrale fahren. Dort haben die Vertretungen sämtlicher Mitwagenfirmen einen Schalter – außer unserer natürlich. Wir rufen bei der Firma an, die uns einen, zugegebenermaßen, sehr freundlichen Fahrer schickt, der uns abholt. Wir stellen fest, dass sich das Gebäude der von uns gewählten Firma in Sichtweite befindet. Wir hätten theoretisch auch laufen können, aber wir sind hier in den USA. Man vermeidet das Laufen, wenn man kann. Um ehrlich zu sein, bin ich in diesem Fall echt froh darüber, denn unser Koffer ist wirklich schwer. Der bereits erwähnte freundliche Fahrer nimmt uns diese Last ab und lädt das Gepäck ein und wieder aus.

Unser Auto ist der Oberknaller. Es ist so toll, dass ich es noch einmal schreiben muss: Unser Auto ist der Oberknaller!!! Ich habe von Deutschland irgendeinen SUV gebucht, mit Klimaanlage, ohne Navigationssystem. Was wir bekommen, ist ein totales Upgrade. Vor uns steht ein rot-metallic-farbener Cadillac-SUV, mit Navi, Sitzheizung, elektrischem Schiebedach und allem, was man sich nur wünschen kann! Ich verliebe mich auf der Stelle und überlege, wie ich ihn im Handgepäck mit nach Deutschland bekomme. Die Reise durch den Südwesten der USA geht weiter…

Hier geht die Reise weiter: Mit dem Pferd im Monument Valley

Teil 3 gibt’s hier: Steffi im Tal des Feuers

Roadtrip durch den Südwesten der USA. #Reise #Reisetipps #USA #Roadtrip #Reiseblogger


3 Antworten zu “Roadtrip durch den Südwesten der USA

  1. […] Steffi Leja ist durch den Südwesten der USA gereist – ihren Artikel gibt’s hier. [&... https://www.people-abroad.de/blog/usa-land-der-unbegrenzten-moeglichkeiten
  2. […] Hier schreibt Steffi über den Start ihrer Reise: Durch den Südwesten der USA […]... people-abroad.de/blog/im-tal-des-feuers
  3. […] Hier schreibt Steffi über den Start ihrer Reise: Durch den Südwesten der USA […]... people-abroad.de/blog/mit-dem-pferd-im-monument-valley

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