Wandern in Südtirol mit Kind – 5 Touren mit Kinderwagen

Wandern Südtirol Kind Touren Kinderwagen

Wandern in Südtirol kann man auch mit Kind, auf aussichtsreichen Panoramawegen und gemütlichen Hüttentouren. Hier findest du 5 Touren, die mit Kinderwagen geeignet sind.

 

Wer kinderlos gerne in die Berge gereist ist, für den ist der erste Urlaub mit Baby eine große Umstellung. Vorbei sind vorerst die Tage, an denen Höhenmeter, Gipfelbesteigungen und Extreme Vorrang haben. Doch es gibt tolle Alternativen, die Dolomiten auf gemächlicherem Boden mit dem Kinderwagen zu erkunden. Co-Autorin Corinna ist frisch gebackene Neu-Mama einer sechs Monate alten Tochter und hat sie getestet.

Die Dolomiten in Südtirol in den italienischen Alpen sind seit Jeher ein Herzensort von mir und ich kenne von Kindesbeinen an jeden Winkel. Die Gipfel mögen bei Weitem nicht die höchsten sein, aber mit ihrer Schroffheit, ihren markanten Formen und zerklüfteten Felsen suchen sie ihresgleichen. Mit kleinem Baby sind die Touren in ausgesetzten Lagen zwar nicht möglich, es gibt aber tolle Alternativen mit garantiertem Dolomitenblick – und hinterher dem Gefühl, trotzdem gewandert zu sein.

Geißlerspitzen Kirche St. Johannes

Die Geißlerspitzen mit der Kirche St. Johannes geben ein schönes Fotomotiv.

1. Naturerlebnisweg Zans unterhalb der Geißlerspitzen

Die zackigen Geißlerspitzen gehören zu den ersten Höhepunkten hinter dem Brenner und ihr Hauptgipfel Sass Rigais ist einer der wenigen Dreitausender der Dolomiten. Ihren Anblick – wenn man sie nicht gerade selbst bezwingen will – genießt man am besten vom beschaulichen Villnösstal. Ausgangspunkt der Touren ist die Zanser Alm auf luftigen 1.680 Höhenmetern. Die schmale Straße windet sich in Serpentinen hinauf und das Parken kostet ganzjährig 10 Euro für den Tag.

Der Naturerlebnisweg Zans ist ein Rundweg, aber es empfiehlt sich, ihn im Uhrzeigersinn zu begehen und das heißt, den Parkplatz zunächst wieder zu verlassen und ein kurzes Stück die Straße hinunter zu laufen, bevor es rechts leicht hoch geht. Diese Richtung hat den Vorteil, dass man die Zanser Schwaige zum Schluss erreicht und die Geißlerspitzen stets im Blick hat. Und wie: Auch wenn nicht viele Höhenmeter gemacht werden, ist das Panorama atemberaubend.

Wandern Südtirol Kind Touren Kinderwagen

In der Zanser Schwaige ist der Kaiserschmarren zu empfehlen.

Der Weg passiert zunächst ein Wildgehege und mit Glück kann man einen Hirsch erspähen. Weiter geht es leicht bergauf und über eine Holzbrücke, gut machbar mit einem stabilen Kinderwagen. Ein Sonnenbänkchen mit freiem Blick auf die Geißlerspitzen lädt zur Pause ein, bevor es gemächlich hinunter geht zur Alm. Alles in allem ist der Weg knapp 2,5 Kilometer lang und mit Pause in eineinhalb Stunden gut zu meistern. In der Zanser Schwaige wird der Wanderer mit leckerem Kaiserschmarren und Premium-Aussicht belohnt. Wickelmöglichkeiten sind auf der Toilette leider nicht vorhanden. Die Tour ist landschaftlich sicher ein Highlight in den Dolomiten, die Eltern und Baby gleichermaßen gefällt.

Für Sportliche: Ohne Kinderwagen ist man eine Etage höher auf dem Adolf-Munkel-Höhenweg bis zur Gschnagenhardt-Alm den Geißlerspitzen zum Greifen nah.

Tipp: Ein schönes Fotomotiv bietet sich auch von der Straße vor Sankt Maddalena an mit dem Aussichtspunkt auf die St.-Johannes-Kirche und die Geißlerspitzen im Hintergrund.

Südtirol Bergpanorama Wandern

Von den Villanderer Almen hat man einen tollen Blick auf Langkofel und Plattkofel.

2. Villanderer Almen: von der Gasser-Hütte zur Mair in Plun Hütte

Die Villanderer Alm kann man quasi als die kleine Schwester der berühmten Seiser Alm bezeichnen: Die Seiser Alm ist die größte Hochalm Europas und die Villanderer Alm direkt dahinter die zweitgrößte Hochalm Südtirols. Dort gibt es keinen Seilbahnbetrieb und dementsprechend urtümlich und beschaulich geht es zu. Wer von dort den freien Blick auf die schönsten Dolomitengipfel genießen möchte, der muss schon eigene Muskelkraft aufbringen.

Der Parkplatz an der Villanderer Alm kostet acht Euro für den Tag. Die Gasser-Hütte bietet aber den Parkplatz für fünf Euro an und wenn man dort für 40 Euro konsumiert, dann bekommt man den vollen Preis erstattet. Von der Gasser-Hütte führt die Forststraße direkt nach oben, aber landschaftlich reizvoller und dennoch mit einem robusten Kinderwagen machbar ist der Weg rechts daneben, entlang der Latschenfelder. Einzige Herausforderung hierbei: die wiederkehrenden Regenwasserrinnen, über die man den Kinderwagen immer rollen muss.

Wandern Südtirol Kind Touren Kinderwagen

Herbststimmung auf der Villanderer Alm.

Im Oktober leuchten die Almfelder in einem herbstlichen gelb-grün, hier und da sind die ersten Lärchen bereits gelb verfärbt und die Laubbäume schimmern zum Teil rötlich und gelblich. Die Herbstfarben bilden einen schönen Kontrast zum satten Grün der Latschen, am Horizont sieht man schroff jeden einzelnen Dolomiten-Gipfel. Mit dem Kinderwagen hält man sich rechts und folgt der Beschilderung zur Almhüde am Rinderplatz und von dort dann auf dem Forstweg zur Mair in Plun Hütte. Letztendlich sind den Höhenmetern keine Grenzen gesetzt, jedoch ist zu bedenken, dass alles auch wieder runtergelaufen (und den Kinderwagen geschoben) werden muss. Zurück geht es daher auf direktem Weg über die Forststraße zur Gasser-Hütte. Insgesamt sind es von Hütte zu Hütte knapp 100 Höhenmeter, stets mit toller Aussicht auf die nördlichen Dolomiten.

Für Sportliche: Ohne Kinderwagen lohnt sich der Aufstieg bis zum Gipfelkreuz und der Pfroderalm.

Tipp: Das Schnitzel Wiener Art in der Gasser-Hütte ist phänomenal.

Wandern Südtirol Kind Touren Kinderwagen

Premium-Blick auf die Seiser Alm vom Panoramaweg Rittner Horn.

3. Panoramaweg am Rittner Horn

Das Rittner Horn ist beliebtes Ausflugsziel oberhalb von Bozen und die Gondelfahrt mit der Südtirol-Card sogar inklusive – das Parken kostet dafür zwei Euro pro Stunde. Die Gondeln sind so geräumig, dass der Kinderwagen hineinpasst, ohne dass man ihn zusammenklappen muss. Bereits die Fahrt ist ein Erlebnis, denn auf der gegenüberliegenden Seite ragen die Dolomitengipfel empor, während man die Baumgrenze verlässt und an der Schwarzseespitze auf über 2.000 Höhenmetern herauskommt.

Im Sommer gibt es keine Beförderung bis ganz hoch zum Rittner Horn – dort fährt zur Skisaison nur der Schlepplift –, doch das macht nichts. Für die Babys sollte ausreichend Zeit eingeplant werden, gegebenenfalls eine Fütterung, um mit dem Höhenunterschied und dem Druckausgleich klarzukommen. Von der Hütte verläuft einfach und absolut kinderwagentauglich der Woody Walk als Rundweg fast eben Richtung Unterhornhaus und Feltuner Hüde. Wer aber einen robusten Kinderwagen mit großen Reifen hat und sich ein wenig Muskelkraft zutraut, der nimmt die große Runde: den Panoramaweg, der von der Hütte rechts abbiegend als schmaler Schotterweg durch die Latschenfelder verläuft.

Wandern Südtirol Kind Touren Kinderwagen

Mit dem Kinderwagen geht es durch Latschenfelder.

Viele Höhenmeter müssen nicht gemacht werden, aber die ein oder andere Passage ist schon so, dass man den Kinderwagen mit etwas Anlauf den breiten Weg hoch befördern muss. Machbar ist das aber alles (mit City-Buggy nicht zu empfehlen) und der Lohn ist über die gesamte Strecke eine unverbaute Sicht auf die südlichen Dolomiten: Die Dolomiten sind jeder einzelne für sich so markant und haben absoluten Wiedererkennungswert – angefangen von den zackigen Geißlerspitzen, zum lieblichen Grödnertal, dem globigen Sella, dem Duett aus Langkofel und Plattkofel, davor die grünen Weiten der Seiser Alm, dahinter die Marmolata als höchster Gipfel der Dolomiten und unverkennbar durch ihren immerweißen Gletscher, der imposante Schlern mit seinen Rosszähnen, der Rosengarten und der Latemar. Auf der anderen Seite glänzte das Etschtal im Dunst, leicht erhoben daneben die Ebene vom Kalterer See, umsäumt vom Mendelkamm und ganz im Osten die hohen Berge des Meraner Lands. Die Kulisse ist ganz großes Kino und das sanfte Geschuckel über Stock und Stein versetzt das Baby hoffentlich in süße Träume.

Für Sportliche: Ohne Kinderwagen kann der Panoramaweg erweitert werden als Aufstieg zur Schutzhütte Rittner Horn.

Tipp: Skiwasser und Käsespätzle mit Blick auf die Dolomiten in der Hütte Schwarzseespitze schmecken besonders gut.

Hängebrücke von Barbian

Spektakulär: die Hängebrücke von Barbian mit Blick auf den Schlern.

4. Von Barbian nach Saubach über die Hängebrücke der Barbianer Wasserfälle

Wer die liebliche Seite Südtirols kennenlernen möchte, der bleibt einmal weiter unten und genießt den 40-minütgen Spaziergang vom Ort Barbian in den Nachbarort Saubach. Barbian liegt auf etwa 800 Höhenmeter oberhalb des Eisacktals zwischen Klausen und Bozen und fällt schon von Weitem durch seinen schiefen Kirchturm auf. Entlang der Straße ist der Gehweg gut ausgebaut und zwischen den für die Gegend typischen Kastanienbäumen bieten sich tolle Blicke auf den Schlern. Die Barbianer Wasserfälle rauschen ins Tal hinab und der Fußgänger passiert sie über eine 120 Meter lange Hängebrücke aus Stahl.

Alpen Urlaub Tipps

Von Barbian nach Saubach geht es oberhalb des Eisacktals entlang der Straße, vorbei an

Kastanienbäumen.

Die Brücke wurde im Sommer 2021 fertiggestellt und ist nichts für schwache Nerven: Ins Eisacktal geht es steil nach unten. Apfelplantagen, Kastanienbäume und der Lindwurm der immervollen Brenner-Autobahn begleiten einen auf seinem Weg. Der Spaziergang ist knapp zweieinhalb Kilometer lang und dauert gemütliche 40 Minuten. In Saubach lockt der Saubacherhof mit Schlutzkrapfen und Schnitzel.

Für Sportliche: Ohne Kinderwagen kommt man beim steilen Aufstieg zu den Barbianer Wasserfällen ab Barbian ins Schwitzen.

Tipp: Mit der Südtirol-Card kann der Bus zurück kostenlos genommen werden.

Scherzing Gemeinde Alpen

Der Stadtplatz mit seinem Zwölferturm, das Herzstück von Sterzing.

5. Rundgang in Sterzing

Auch wenn der Berg bekanntlich ruft, so ist ein Ruhetag nicht verkehrt. Zu schön sind die Südtiroler Dörfer im Tal. Eines lohnt sich besonders: Sterzing. Der erste Ort hinterm Brenner mutet von der Landesstraße nicht wirklich spannend an, erst beim zweiten Blick wird die Schönheit sichtbar. Geparkt wird auf dem öffentlichen Parkplatz an der SS12, der 1,50 Euro pro Stunde kostet. Ein schmaler Fußweg führt zur Eisack und dort über die alte Holzbrücke – alles barrierefrei und kinderwagentauglich. Der gemütliche Stadtplatz ist nur ein paar Treppenstufen entfernt und auch diese sind dank eines Aufzugs kein Hindernis. Pittoresk ragt der schmale Zwölferturm aus dem 15. Jahrhundert in den Himmel, umgeben von sanftgrünen Berghügeln und Lüftelmalerei. Viel mehr als die Hauptstraße, die vor dem Turm „Neustadt“ und dahinter „Altstadt“ heißt, gibt es nicht zu sehen, doch Sterzing lebt vom Genuss: Café hier, Aperitif dort, Schüttelbrot, Speck, Eis, Lederwaren und Souvenirs. Es fällt schwer, hier mit leeren Taschen und leerem Magen zu gehen.

Für Sportliche: Ohne Kinderwagen kann der Hausberg Rosskopf bezwungen werden.

Tipp: Im Restaurant „Zur Traube“ gibt es nicht nur leckere Pizza, sondern auch einen komfortablen Wickelplatz auf der Damentoilette.

Weitere Wanderungen und Touren in Südtirol für Familien mit Kindern gibt es auf der offiziellen Tourismus-Website hier.

Hast du weitere Ergänzungen und Tipps zum Wandern in Südtirol? Dann ergänze sie gerne in den Kommentaren.

Weitere Artikel über die Alpen-Region findest du hier:
Südtirol: Nachhaltig Reisen in der Region Eggental
Kärnten: Sehenswürdigkeiten & Ausflugsziele
Lana in Südtirol: 10 Tipps für einen Urlaub
Tirol-Urlaub in der Region Hall-Wattens
Wandern & Wellness in Nauders in Tirol

Corinna Ziegert

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert