Kanada – leben in Vancouver & Neufundland

Bernadette Calonego, Auslandskorrespondentin und Schweizer Autorin von Kanada-Krimis, lebt nahe der Großstadt Vancouver und im abgelegenen und wilden Neufundland.

Kanad Vancouver Neufundland
@Copyright: Bernadette Calonego

Du lebst im Winter an der Sunshine Coast nahe Vancouver und den Rest des Jahres in Neufundland.
Warum?

Weil es als Auslandskorrespondentin wichtig ist, ein Standbein an der Westküste und ein Standbein an der Ostküste zu haben. Wie soll man sonst ein so großes Land mit sechs Zeitzonen überblicken?

Wie kalt ist es gerade bei dir?

Heute sind es 14 Minusgrade im Norden Neufundlands. Es hat auch ganz tüchtig geschneit und für morgen ist ein Schneesturm angesagt. Vor einigen Tagen brauste ein Wind mit der Stärke von 100 Stundenkilometern ums Haus. Alles hat gebebt und gezittert. Vor allem das laute Heulen des Windes ist mir unheimlich. In einigen Tagen werde ich wieder an die Sunshine Coast in British Columbia zurückkehren, weil mir die Winter im Norden Neufundlands zu brutal sind. Man kommt sich fast vor wie in der Arktis.

Die Sunshine Coast an der Pazifikküste dagegen wirkt mit ihren milden Temperaturen im Winter fast unkanadisch. Wenn es insgesamt an fünf Tagen schneit, ist das schon ein harter Winter. Dann reden die Leute davon, sie müssten an die Wärme nach Florida oder in die Dominikanische Republik fliegen. Sie sind wirklich wettermäßig verwöhnt. Im Februar blühen im Garten schon die ersten Blümchen. Und im Mai kann man oft schon im Pazifik schwimmen.

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Was ist toll in Vancouver?

Ich erwähne hier ausschließlich, was mir persönlich an Vancouver gefällt. Für Leute, die gern zu Fuß, per Rad oder auf Rollschuhen unterwegs sind, ist Vancouver ein Paradies. Es gibt über zwanzig Kilometer Fußwege am Rand des Wassers entlang, rund um den Stanley Park, entlang der Meerenge von False Creek bis zum Strand von Spanish Banks. Von den Waldpfaden ganz zu schweigen. Absolut toll.

Die Stadtmitte von Vancouver ist abends nicht menschenleer wie in den meisten nordamerikanischen Städten, weil hier immer noch Familien wohnen. Das haben die Stadtplaner absichtlich so angelegt. Die Stadtmitte ist nicht sehr groß, dafür kompakt und übersichtlich, sodass man alles zu Fuß machen kann. Früher lebte ich ganz in der Nähe der zentralen Robson Street im West End und habe gar kein Auto gebraucht. Vancouver ist kulturell und architektonisch nicht besonders aufregend oder Avantgarde. Da gibt es Städte, die sicher pulsierender sind (in meinen Augen). Aber man ist so nahe an der Natur. Wenn man auf dem False Creek mit dem Kajak unterwegs ist, strecken oft Seehunde ihren Kopf aus dem Wasser. Stinktiere überqueren die Wohnstraßen in der City und in der Lost Lagoon tollen Otter herum. Der Stanleypark ist trotz seiner Lage in der Innenstadt weitgehend immer noch Wildnis. Man glaubt es vielleicht nicht, aber man kann sich leicht darin verlaufen, was mir einmal passiert ist!

Ein Glanzlicht von Vancouver sind die vielen exotischen Restaurants. Kulinarisch ist das Angebot sehr vielfältig, was eine Folge der vielen Immigranten in der Stadt ist. Mit einer Gruppe von Freundinnen besuche ich regelmäßig kleine Familienrestaurants mit einer tollen und preisgünstigen Küche. A propos Essen: Ich liebe es, durch die Markthallen auf Granville Island zu flanieren. Was für ein Konzert von Farben, Düften und Aromen! Leider sind die Immobilienpreise in Vancouver so drastisch gestiegen, dass ich mir eine Mietwohnung in der Innenstadt nicht mehr leisten kann. Das ist die Schattenseite einer begehrten Stadt.

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Was gefällt dir an Neufundland?

Neufundland ist das absolute Kontrastprogramm zu Vancouver. Ich mag karge, raue Landschaften und das bekomme ich im Norden der Insel in Hülle und Fülle. Die Tundra ist eine reizarme, aber wunderschöne Landschaft, in der man ganz ruhig wird. Oft wandere ich mit dem Hund auf Pfaden hoch über den schroffen Küstenfelsen, mit Blick auf den Nordatlantik, wo Buckel- und andere Wale Fischschwärme jagen. Eisberge kann man hier im Frühsommer gut vom Ufer aus sehen. Es ist ein Tummelfeld für Hobbyfotografen wie mich. Vor einigen Tagen zum Beispiel kam eine junge Sattelrobbe an Land, wo sie die Sonne genoss, sich verspielt räkelte und mit den Flossen „winkte“. Es war ein fantastisches Schauspiel!

Da hier nicht nur die Landschaft, sondern auch das Klima rau ist, reduziert sich alles aufs Wesentliche. Zum Beispiel macht es Freude, den Ofen mit Holz zu heizen und dann die Wärme im Haus zu spüren. Oder absolut frischen Kabeljau aus dem Ozean zu essen.

Als Schriftstellerin finde ich die Umgebung sehr kreativ. Während es kalt und stürmisch werden kann, sind die Menschen warmherzig und hilfsbereit.

Und schön ist natürlich auch, dass ich den Mann in meinem Leben hier gefunden habe.

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Was tut man im langen, kalten Winter in Neufundland?

Der Winter ist die gesellige Jahreszeit im Norden Neufundlands. Im Sommer arbeiten viele Einheimische rund um die Uhr im Tourismus. Wenn die Saison zu Ende ist, hat man wieder Zeit füreinander.

Da es ja sonst nicht viel hier gibt, wo ich lebe, kein Kino, keine Konzerthalle, kein Theater, keine Museen oder Kunstgalerien, kreiert man die Unterhaltung eben selbst. Viele Einheimische treffen sich zu Darts, dem Pfeilspiel, bilden Teams und nehmen an Wettkämpfen teil. Man spielt Karten und Bingo (Zahlenlotto) oder organisiert Tänze im lokalen Pub. Weihnachten dauert zwölf Tage! Während dieser Zeit besucht man sich gegenseitig. Überall ist Tag der offenen Tür. Vor allem wird die alte Tradition der Mummers hochgehalten: Alt und Jung verkleidet sich mit Masken und improvisierten Kostümen und zieht von Haus zu Haus, wo man einen Jig (Tanz) vorführt und dafür Alkohol ausgeschenkt bekommt. Man kann sich vorstellen, wie solche Nächte enden …

Wenn das Wetter gut ist, fahren die Neufundländer mit ihren Skidoos über die verschneite Tundra und bohren Löcher in einen vereisten See, wo sie eisfischen. Nachher werden die Fische an Ort und Stelle auf einem Lagerfeuer gebraten und verspeist.


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Lieben alle Kanadier die Wildnis?

Ich glaube, die meisten Kanadier sind noch gar nie oder nur einmal kurz in der Wildnis gewesen.

Man darf nicht vergessen, dass rund zwei Drittel der Kanadier in Städten und urbanen Siedlungsgebieten entlang der Grenze zu den USA leben. Die Mehrheit der Immigranten lässt sich in Städten nieder.

Das Leben im Norden Kanadas unterscheidet sich völlig vom Leben im Süden. Es gibt doch diesen witzigen, oft gehörten Spruch, dass ein echter Kanadier (oder eine echte Kanadierin) mindestens einmal Liebe in einem Kanu gemacht hat. In meinen Augen ist das ein kolossaler Mythos. Die meisten Kanadier haben wahrscheinlich nicht mal ein richtiges Kanu gesehen! Das heißt aber nicht, dass sie das Konzept Wildnis nicht schätzen oder dass die Wildnis nicht zu ihrem Selbstverständnis als Kanadier gehört.

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Was ist toll am Leben in Kanada?

Als abenteuerlustige Person habe ich in Kanada noch dieses Gefühl von Pioniergeist und Terra Incognita, von unentdeckten Gegenden. In der Westprovinz British Columbia zum Beispiel gibt es noch weite Landstriche, in die noch nie ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat. Auch die Arktis fasziniert mich enorm. Und die wilden Tiere: In meinem Garten in British Columbia können jederzeit Bären oder Pumas auftauchen, Weißkopfadler kreisen über dem Wasser, Waschbären schlüpfen durch die Katzentür, Rehe fressen das Gras vor dem Haus.

Der Umgang der Kanadier miteinander ist sehr freundlich und rücksichtsvoll. Man will einander nicht auf die Füße treten. Das geht manchmal auf Kosten der Ehrlichkeit, aber in einem Land mit so vielen Immigranten muss man sich halt einfach zurücknehmen, damit man den andern nicht womöglich beleidigt.

Was vermisst du?

Ich vermisse günstige Flugpreise innerhalb von Kanada und vor allem für Flüge in den hohen Norden und in die Arktis. Weil das Land so groß ist (das zweitgrößte der Erde), sind die Distanzen enorm und die Reisekosten auch. Auf vielen inländischen Flugstrecken gibt es zu wenig Konkurrenz unter den Fluggesellschaften. In Europa ist man schnell in einem völlig anderen Land, ohne viel auszugeben. Die immer noch sichtbare Geschichte Europas und die kulturelle Vielfalt auf engem Raum ist fantastisch.

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Welche deiner Krimis spielen in Kanada?

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Neufundland Die Bucht des Schweigens
mehr zum Krimi
British Columbia
Yellowknife
Unter dunklen Wassern
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British Columbia Krimi Buch Die letzte Erkenntnis Die letzte Erkenntnis
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Arktis Krimi Buch Die Fremde auf dem Eis Die Fremde auf dem Eis
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Eine einsame Farm in der Wildnis von British Columbia. Eine männliche Leiche im Gras. Im Haus überall Blut. Drei Kinder, kaltblütig ermordet. Von der Mutter keine Spur.

Rechtsanwältin Tessa Griffins ist vor fünf Jahren aus dem isolierten Minendorf Whatou Lake nach Vancouver geflohen. Jetzt kehrt sie zurück und sucht in ihrem Heimatdorf fieberhaft nach der Mutter der drei Kinder, ihrer Stiefschwester Fran. Und nach dem Mörder von Frans Familie. Genau wie Polizeidetektiv Ron Halprin, Chef einer Spezialeinheit in Vancouver, der für die Ermittlungen nach Whatou Lake reist.

Tessa stößt überall gegen Mauern. Welche Geheimnisse verbirgt ihr Vater, der einflussreiche Dorfarzt? Warum lügt ihre Mutter, die Wohltäterin, die unzähligen Pflegekindern ein Heim gab? Führt Fran ein geheimes Leben? Und warum findet ausgerechnet Tessas Jugendfreund Tsaytis Chelin vom Stamm der Sitklat`l die Leichen? Am dritten Tag macht Tessa eine grausige Entdeckung, die sie in den Abgrund zu reißen droht.

Taschenbuch: 376 Seiten
Verlag: Calonego Media Inc. (30. Oktober 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1999230213
ISBN-13: 978-1999230210

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Bernadette Calonego

… ist Auslandskorrespondentin und Autorin von Kanada-Krimis.

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