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Neukaledonien

Das Lächeln der Vergangenheit

Buchbesprechung Das Lächeln der Vergangenheit
Titel: Das Lächeln der Vergangenheit
Verlag: DUMONT Reiseabenteuer
ISBN-13: 9783770182916
Seiten: 239








Buchvorstellung:

Buchbesprechung:
Neukaledonien war mein Wunschland. Weil keiner weiß, wo es liegt. Weil es nicht wie andere Südseeinseln ein gekünsteltes, protziges Touristenparadies ist. Weil es abgelegen im Pazifik liegt. Aus diesen Gründen muss es dort angenehm ruhig sein. Es passiert nicht viel Neues, wenig Skandale und wenig Protz, wenig Sportwagen und Luxus.

Neukaledonien, so stellte ich es mir vor, ist ideal zum Aussteigen. Aussteigen – irgendwo in der Nähe zum Strand in einer Hütte leben, sich ernähren von Obst und anderem Essbarem. Alles kommen lassen: die Zeit, die Gedanken… einfach nur die Stunden vertrödeln. Auf die Karriere und Versicherungen scheißen und die Nichtigkeit der Existenz genießen. Natürlich bin ich nie ausgestiegen. Nie war ich auf Neukaledonien.

Ich war mit Birgit Weidt dort, der Autorin dieses Buches. Sie hat drei Monate auf Neukaledonien verbracht, um das Leben auf dieser abgelegenen Südseeinsel zu erkunden. Hauptsächlich lebte sie bei verschiedenen Stämmen der Einheimischen, der Kanaken. Die Kanaken leben in der Stammesgemeinschaft, im Kollektiv.
So lerne ich als Leser viele Leute, viele Sitten und aus unserer Sicht abergläubische Traditionen kennen. Lese über Hebammen, Zauberer, Häuptlinge, Sagen und mystische Geschichten. Ich lese von Festen, vom Schlafen im Gemeinschaftsraum, von Kindern, Cricket und vielem mehr.
Dazu muss man sagen, dass die Autorin sympathisch unbefangen und respektvoll mit den Traditionen der Kanaken umgeht. Nie macht sie sich lustig darüber. Auch bewertet sie nie die vielen Verbote und all die Dinge, die man tun muss, um die Toten nicht zu erzürnen. Sondern sie geht darauf ein – voller Respekt und Neugier.

[Kritik] Die Urbevölkerung der Kanaken bildet gerade mal 45 % der Bevölkerung auf Neukaledonien und das Buch handelt fast nur ihrem Leben.
Nach der Hälfte des Buches fing ich an, mich nach einem neuen Thema zu sehnen, denn ich bekomme keinen durchdachten, übergreifenden Blick auf die Insel insgesamt, ihre Gesellschaft und Probleme. Sondern eher einen ganz persönlichen Bericht, ein Kaleidoskop aus Momenten und Gesprächen mit den Kanaken.

Andererseits ähnelt das Buch wohl sehr der Stimmung auf Neukaledonien: relaxt, ohne Hektik und ohne Drang zur Perfektion. Auf der Insel kann man planlos leben, weil die Leute noch aufeinander aufpassen.
Und es bringt uns die Schönheit der Natur der Insel näher, wenn es von den Stränden, den Tieren, Pflanzen erzählt.
Zugang zum kollektiven Dorfleben zu bekommen – ein Häuptling hat mal Touristen verprügelt – ist wohl auch nur wenigen gelungen. Ein weiterer Pulspunkt für dieses Buch.

Fazit: lesenswert.
Neukaledonien ist wohl eine der letzten exotischen, noch nicht touristisch aufgeplusterten Südseeinseln. Dazu noch ein exotisches Land, über das es wenige Bücher gibt.

Notizen:
Wie ist das Leben bei den Kanaken?
Sie leben im Kollektiv, streng nach mystischen Regeln mit strenger Hierarchie, passen aufeinander auf, es gibt ein gemeinschaftliches Schlaf- und Wohnzimmer. Sie scheinen eine gelassene und freundliche Art miteinander und füreinander zu haben, gehen achtsam mit der Natur um.