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  • #312
    Anonym
    Gast

    Dass auch Hilfsorganisationen manchmal für negative Schlagzeilen sorgen können, zeigte sich vor kurzem am Beispiel von Unicef Deutschland. Vor einigen Tagen erreichte uns der Erfahrungstext einer freiwilligen Helferin aus Marokko, die von katastrophalen Zuständen in einem Kinderheim des Vereins „Nour Najma“ in Essaouira berichtete, in welchem sie für kurze Zeit einen Freiwilligendienst leistete.

    Da auch wir in der Vergangenheit die Adresse dieser Organisation aufgelistet hatten und sich die Zustände nach unseren Informationen vor Ort dramatisch verschlechtert haben, möchten wir die Besucher dieser Seiten hiermit informieren. Wir haben bereits Kontakt zu Amnesty International aufgenommen, um auf die Situation in dem betreffenden Kinderheim aufmerksam zu machen.

    Die Verfasserin des Textes möchte derzeit anonym bleiben, ihr Name ist der Online-Redaktion bekannt. Sollte jemand der Besucher Adressen in Marokko kennen, an die man sich wenden kann oder weitere Landeskenntnisse besitzen, die von Hilfe sein könnten, freuen wir uns auf eine Rückmeldung hier im Forum oder direkt an info@menschen-im-ausland.de. Vielen Dank für Ideen, Tipps und Rückmeldungen.

    Heiko Müller
    http://www.menschen-im-ausland.de

    Erfahrungstext der Helferin in Essaouira, verfasst am 28. April 2008:

    Nour Najma in Essaouira

    Die marokkanische Assoziation Nour Najma ist eine Organisation fuer Kinder in Not, die 1990 von der Deutschen Johanna Rolle gegruendet wurde. Die Assoziation besteht aus zwei Einrichtungen, die sich in Marrakesch („Die Sternenkinder“) und in Esssaouira („Das Sternenhaus“) befinden. Der Deutsche Verein Sternkinder e.V. ist als Foederverein fuer Nour Najma 2003 gegruendet worden und sammelt Spenden, mit denen diese zwei Projekte finanziert werden.

    Folgender Bericht beschreibt die Situation in der Einrichtung Essaouira: in dieser leben zurzeit 56 Kinder im Alter von 0-15 Jahren, wobei der Altersdurchschnitt unter fuenf Jahren liegt. Die Kinder sind in sechs Gruppen nach Geschlecht und Alter eingeteilt und jeweils von einer „Pflegemutter“ betreut. Diese arbeiten und leben mit den Kindern auf engsten Raum bis zu sechs Tagen pro Woche rund um die Uhr. Sie besitzen keine fachlich fundierte erzieherische oder paedagogische Ausbildung. Zusaetzlich arbeiten im Haus eine Putzfrau und eine Koechin.

    Die Verantwortung vor Ort uebernimmt Nandai Rolle, der Sohn der Leiterin und Gruenderin Johanna Rolle. Diese ist zurzeit in der Einrichtung in Marrakesch taetig.
    Ueberfoderung der Mitarbeiter und mangelnde Kenntnisse ueber erzieherische Massnahmen fuehren zur Gefaehrdung des koerperlichen und geistigen Wohles der anwesenden Kinder.

    Dies verdeutlichen die folgenden Beispiele, die wir waehrend der verbrachten Zeit in der Einrichtung beobachten konnten. Die Kinder fallen durch Verhaltens-und Entwicklungsstoerungen auf (Sozial- und Bindungsverhalten). Zur Foerderung der altergerechten Entwicklungschritte kann auf Grund der Ueberforderung und Ueberlastung der Mitarbeiter nicht eingegangen werden. Einige Kinder besuchen die Schule, wobei besonders auffaellig ist, dass den meisten Maedchen dieses Privileg vorenthalten wird. Die Foerderung der Kinder, die nicht die Schule besuchen, ist als katastrophal zu bewerten, da sie die meiste Zeit in unhygienischen Gruppenraeumen verweilen. Viele haben selten die Moeglichkeit an die frische Luft – auf den Hof des Grundstuecks – zu kommen. Fuer diese Kinder ist ein Leben und Spielen ausserhalb der Einrichtung nicht moeglich – viele der Kinder wissen nicht, was sich ausserhalb der Mauern befindet. Wie kann sich durch dieses abgeschottete und reizarme Leben ein eigenverantwortlicher und selbstbestimmter Mensch entwickeln?

    Auffallig sind zudem die hygienischen und medizinischen Zustaende. Aufgrund von Wassermangel, so die Leiterin Johanna Rolle, ist die regelmaessige Koerperhygiene wie Waschen und Zaehneputzen nicht gegeben. Weiterhin kann von einer ausgewogenen Ernaehrung nicht die Rede sein (kein Obst, kein Fleisch, keine Milchprodukte, trockenes Brot zum Fruehstueck). Der medizinischen Verantwortung wird sich in der Einrichtung entzogen, einige der Kinder haben Hauterkrankungen wie Pilze und Ausschlaege. Ausserdem ist unklar, ob die Kinder notwendige praeventive Impfungen erhalten und regelmaessigen aerztlichen Untersuchungen unterzogen werden.

    Von hinreichender Verantwortung fuer das Wohl der 56 Kinder und einer „liebevollen“, familienaehnlichen Sozialstruktur mit Ruecksichtnahme auf die jeweiligen Entwicklungsschritte der Kinder kann daher nicht die Rede sein. Wir berufen uns auf ein seit 1989 weltweit geltendes Grundgesetz: die UN- Konvention ueber die Rechte des Kindes. In diesem ist das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser, Nahrung und medizinischer Versorgung, auf Freizeit, Spiel und Erholung geregelt. Da diese Rechte in der Einrichtung „Das Sternhaus“ nicht eingehalten werden, besteht die Notwendigkeit einer Ueberpruefungen der Einrichtung und deren Verantwortliche.

    #313
    Anonym
    Gast

    Vielleicht kann die marokanische Botschaft in Deutschland mit Kontakadressen weiter helfen.
    Gruss
    Anja

    #314
    Anonym
    Gast

    ersteinmal schockieren auch mich solche berichte. ABER: auch ich war im ausland (ghana) und habe projekte gesehen, die mit sicherhiet nicht so liefen, wie man sich das in deutschland vorstellt. trotzdem sollte man nicht immer zu schnell urteilen und deutsche/un maßstäbe ansetzen. auch wenn es wünschenswert wäre. bei mir bedurft es schon mindestens 6 monate um die kultur verstandne zu haben und um zu begreifen warum die dinge so laufen. in ghana wurden zum beispiel die schüler einer aus deutschland finazierten schule noch geschlagen (und zwar heftig). aber diese meister-sklaven-gesellschaft gehörte dort einfach zum land (und schon viel länger als die weißen sklavenhändler kamen) und wird auf verschiedenen arten und weisen noch heute praktiziert. auch da hätte man sich als deutscher weit aus dem fenster lehnen können und amnasty int. informieren…aber die ghanaen hätten das überhaupt nicht verstanden. und so könnte ich die liste fortsetzen…. wäre dann typisch west knows best.
    nun zu dem beschriebenen fall kann ich nichts aus der entfernung sagen. was mich beunruhigt ist, das es deutsche sind, die die´leitung haben. nur würe ich versuchen in ruhe mit einheimischen zu sprechen, die die lage kennen und herausfinden was und warum das dort so läuft. gibt es vielleicht eine kontrollinstanz in deutschland oder im land selbst?

    mehr kann ich nicht sagen. seit einfach vorsichtig wen ihr im ausland beschuldigt, wenn ihr nur beschränkten einblick in land und kultur habt. auch wenn euer maßstab ein ehrbarer aber eben anderer ist. und helft den kindern so gut es geht.

    viele grüße

    micha

    #315
    Anonym
    Gast

    Es ist immer gefährlich, nach unseren Massstäben in einem Entwicklungsland eine Messlatte hoch zu halten. Ich weiß nicht, ob die Verfasserin des Artikels noch sehr jung ist und schon vorher Erfahrungen dieser Art im Ausland sammeln konnte, um sich die Freiheit zu leisten, die Situation vor Ort wirklich objektiv zu beurteilen. Mir scheint eher, dass die Verantwortlichen von Arbeit überschwemmt werden und dass es überall an Geld fehlt. Einen Brunnen zu bohren kostet viel Geld, passende Strukturen aufzubauen ebenso und erfordert auch Zeit.
    Vorsicht mit Panikmache! Ich finde, man sollte eher den Verantwortlichen unter die Arme greifen, denn über 50 Kinder mit einem solch geringen Durchschnittsalter zu betreuen erfordert einen enormen Einsatz. Mir bricht das Herz, wenn ich mir vorstelle, wie es den Kleinen an so viel mangelt und würde am liebsten hinfliegen und helfen.
    Karola Kostial

    #316
    Anonym
    Gast

    Liebe Besucher,

    gestern hat uns die Nachricht erreicht, dass das Kinderheim in Essaouira aufgelöst wurde. Unser Respekt und unsere Anerkennung gilt den drei mutigen Volunteers, die sich in dieser Sache für die Kinder vor Ort eingesetzt haben.

    Heiko Müller
    menschen-im-ausland.de

    MITTEILUNG:

    Das Kinderheim in Essaouira wurde letzten Mittwoch aufgelöst. Die 53 Kinder sind auf zwei Heime aufgeteilt, 44 in ein neues Haus und 9 Kinder in ein islamisches Heim gekommen. Es lief wohl seit einer gewissen Zeit so einiges, was wir hier in Deutschland nicht wussten. Vielen Dank, dass Ihr Euch eingesetzt habt – hättet ihr nicht an das Ministerium geschrieben, hätten wir vielleicht gar nichts von der ganzen Sache erfahren. Lasst uns hoffen, dass es den Kindern jetzt besser geht. Es gab vor zwei Tagen einen Bericht im marokkansichen Fernsehen (siehe Link unten).

    Kurze Zusammenfassung:

    Essaouira hat ein langfristiges Projekt zur Förderung der Landwirtschaft, Strassen … und Kinder.

    Es wurde ein neues Heim für verlassene/verwaiste Kinder gebaut, um diesen Kindern eine Zukunft zu geben und ihnen Bildung, psychologische Unterstützung und ein sauberes Leben zu ermöglichen.

    Das Heim von Nour Najma wird als Heim bezeichnet, dem wenig Mittel zur Verfügung stehen. Die Personalien jedes Kindes wurden vor der Verlegung in das neue Heim überprüft.

    Das neue Heim wurde in 1,5 J Bauzeit für EUR 400.000 vom Staat, unter der Schirmhaft der Prinzessin, gebaut. Es ermöglicht nun 44 Kindern ein neues Leben.

    1. Kommentar Hr. Abdelali Massoz, Sozialarbeiter: „Viele Probleme haben ein Ende; viele Kinder haben gesundheitliche und psychische Probleme und Lernschwierigkeiten; sie sollen nun in einer guten Umgebung und Atmosphäre aufwachsen können.“

    2. Kommentar Hr. Mohammed Ratbi, Chef der Organisation Noor Mogador – Wohltätigkeitsorganisation für verlassene Kinder:
    „Es wurden 53 Kinder abgeholt, 44 Kinder sind in dem neuen Heim untergekommen. 9 Kinder sind in dem Heim einer islamischen Organisation, da sie nicht ins Altersgefüge des neuen Heims passen. Das neue Heim kann insgesamt 100 Kinder aufnehmen; 13 Kinder sind bereits hier. Das Heim wird von den zwei staatlichen Organisationen Association Darna und Association Noor Mogador geführt.“

    Zitat 1. Kind: „Hier ist es besser als im alten Heim.“

    Zitat 2. Kind: „Es gibt Spiele, gutes Essen, Duschen, schöne Schlafsäle, alles ist gut.“

    Zitat 3. Kind: „Shokran besef – vielen Dank“.

    http://www.snrt.ma/Le-Journal-televise-en-Arabe-du-24-05-08_a5759.html

    #317
    Anonym
    Gast

    Gut, dass es letztendlich so schnell und effektiv ging. Was passiert nun mit den deutschen Leitern? Ich hoffe es wird überprüft wiso es so bergabgehen konnte…

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