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Schweden: Vom Handel mit Samen und vom Birkenpflanzen

Bericht von Markus Kraxner, markus@handlungsplan.net



Schweden: Vom Handel mit Samen und vom Birkenpflanzen

Irgendwie ist es hier in Umea so ähnlich wie am Meer, ständig geht der Wind, es ist meistens recht warm, in der Fußgängerzone tummeln sich entspannt (wirkende) Leute und alles fühlt sich irgendwie nach grün an. Aber scheinbar sind die Unterschiede zu Österreich - zumindest im Sommer - doch nicht so groß. Scheinbar "clubben" die Schweden hier recht gerne, die kostenlose City-Zeitung von Umea ist jedenfalls voll von Inseraten für Tanzveranstaltungen dieser Art. Türschlösser öffnen sich hier in Schweden bei Schlüsseldrehung in die "andere" Richtung, Wäschetrockner sind so groß wie Kleiderschränke, die Waschmaschinen haben Industrieniveau und im Supermarkt gibt es Bier, das unmöglich betrunken machen kann. Das Wetter lässt sich meinerseits hier überhaupt nicht vorhersagen, Regen und Sonne wechseln sich hier munter ab.

Die Geschichte Umeas von 3000 v. Chr. bis zur Neuzeit

Die ersten Menschen haben sich in dieser Gegend vor ca. 3000 Jahren herumgetrieben, aber tatsächlich gegründet wurde Umea im späten 16. und frühen 17.  Jahrhundert - zweimal  sozusagen. Der erste Versuch bestand darin, ein Handelszentrum zu etablieren, schlug aber nach ein paar Jahren fehl, weil die Bauernhändler, die hier ansässig waren, offenkundig einen Motivationseinbruch erlitten und beschlossen, sich wieder in die Wälder zurückzuziehen. Dann ist ein paar Jahre nichts passiert, bis weiter nördlich eine andere Ansiedlung das Stadtrecht - und somit auch das Handelsrecht mit Samen - erhielt. Die Menschen in der Gegend um Umea wollten vom Handel mit den Samen auch profitieren und suchten 1621 mittels einer Gesandtschaft in Stockholm um das Stadtrecht an, dass ihnen im Jahr 1622 auch gewährt wurde.

Im 18. Jahrhundert gab es hier Probleme mit einfallenden russischen Truppen, die im Winter über Finnland und das zugefrorene Meer (von den jeweils vorgelagerten Inseln sind nur 30-40km Entfernung zu bewältigen) nach Umea kamen. Am Midsommartag 1888 brannte die Stadt zu einem Großteil völlig nieder, am gleichen Tag erlitt weiter südlich Sundsvall ein ähnliches Schicksal. In beiden Städten wurden ca. 80% der Bevölkerung obdachlos. In Sundsvall (das damals reicher als Umea war) durften fürderhin im Stadtzentrum nur mehr Häuser aus Stein gebaut werden. Umea musste weiterhin großteils auf das leicht entflammbare Material Holz setzen. Zum Ausgleich wurden im Zentrum über 3000 Birken gepflanzt, die ein Ausbreiten von Feuersbrünsten durch Aufhalten des Funkenfluges verhindern sollten. Bis heute gilt Umea in Schweden als die Stadt der Birken, während Sundsvall als die Steinstadt bekannt wurde.

Im 20. Jahrhundert ging es dann steil bergauf und spätestens mit der Gründung der Universität - die mit 5000 Mitarbeitern und 30000 Studenten auch gleichzeitig der größte Arbeitgeber in der Stadt ist - im Jahr 1965 konnte sich Umea endgültig als Knotenpunkt und Bildungszentrale von Nordschweden etablieren - und das ist bis heute so geblieben. Heute wächst die Stadt in zweierlei Hinsicht: zum einen hebt sich das Land hier um ca. einen Zentimeter pro Jahr (Klimaerwärmung und Meeresspiegelanstieg?) - was unter anderem dazu geführt hat, dass der Hafen von Umea heute 15 km weiter östlich, direkt an der Mündung des Umeälven in die Ostsee, liegt (da der Fluss für größere Wasserfahrzeuge nicht mehr schiffbar ist). Und zum anderen wächst die Bevölkerung von Umea um ca. 1,5% pro Jahr, was im Schnitt alle 10 Jahre einen neuen Stadtteil notwendig macht. 

Heute beherbergt Umea unter anderem Industriebetriebe wie Volvo (alle LKW-Führerhäuser für ganz Europa werden hier hergestellt), General Electric Healthcare und Komatsu, die Universität floriert und im Jahr 2014 ist Umea zusammen mit Riga Europäische Kulturhauptstadt. Das wird auch der Zeitpunkt sein, an dem ich Schweden meinen nächsten Besuch abstatte. Dann allerdings im Winter, hier kann man angeblich trefflich mit dem Schneemobil herumgurken - und das wollte ich schon immer mal machen.

Markus Kraxner

Den kompletten Text zum Aufenthalt in Schweden gibt es unter:
http://www.handlungsplan.net

 
 
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