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Senegal: Das Fischerdorf Kayar

Bericht von Senem Merey, klaidoskop@gmx.de

 

Senegal: Das Fischerdorf Kayar

Vor etwa einem halben Jahr ist mein Herz im Senegal hängen geblieben. Ich lebte in der Hauptstadt Dakar, im Haus eines Stadtteilbürgermeisters, sowie im Fischerdorf Kayar (18.000 Einw.), welches 60km nördlich von Dakar (ca. 2,5 Mill Einw.) liegt.

Berühmt ist Kayar für seine Fischerei, dort leben auch viele Saisonarbeiter. Ein Fischer angelt in einem Jahr so viel Fisch, wie die großen Fischkutter der reichen Länder an nur einem Tag fischen. Sie besitzen meist keine Kühlanlangen, um den Fisch länger haltbar zu machen. Die kostbarsten Fische gehen nach Europa und werden für sehr wenig Geld eingekauft. Ein Arbeiter verdient ca. 80 EUR im Monat, eine Pizza in Dakar kostet ca. 6 EUR. Ansonsten leben die Menschen dort von der Landwirtschaft, doch Klimaverhältnisse, wie z.B. Dürremonate, machen ihnen dabei zu schaffen. Das Überleben im Senegal ist nur durch das soziale Netz der Familie und Freunde möglich. Der Islam hat eine große Bedeutung (90% sind Moslems), denn der Glaube stützt sie in harten Zeiten.

Vom Senegal, Westafrika, hatte ich bisher wenig gehört und wie es der Zufall wollte, habe ich dort spontan eine Bekannte besucht, die ein Kind mit einem sengegalesichen Mann hat und die Wintermonate dort verbringt. Ich war erstaunt darüber, welche edle Kunst der Gastfreundschaft diese Menschen vollziehen, obwohl sie wenig Materielles besitzen. Man sollte auch wissen, dass in ihrem Sprachgebrauch das Wort Fremder nicht existiert. Jeder grüßt jeden auf der Straße und ein Sprichwort sagt: "Grüße, bevor du anfängst zu sprechen."

Wenn du so nah am Alltagsgeschehen teilnehmen kannst, mit verschiedene Menschen und Familien zusammen bist, dann bekommst du auch die schwierigen Umstände ihres Lebens mit. Kayar ist z. Zt. oft in den Medien erwähnt, da in diesem Dorf Menschen bereit sind ihr Leben zu riskieren, um illegal über das Meer in eine bessere Welt zu gelangen. Hierfür werden alle Ersparnisse aufs Spiel gesetzt. Sie fahren zu Hunderten eng an eng aufs gefährliche Meer hinaus, um nach Spanien zu gelangen und dort illegal aufgenommen zu werden, mit der Hoffnung auf Arbeit.

Ich habe dort junge Männer getroffen, die diese Reise bereits hinter sich hatten. Sie sahen wie Mitreisende ertranken, wurden selbst an der Grenze zurückgewiesen oder verstummten angesichts der erlebten, gefährlichen Extremsituationen ihrer Seereise. Die meisten hatten dennoch ihre Hoffnung auf eine zweite Chance nicht aufgegeben und warteten auf das nächste Schiff. Wie schwer müssen Lebensumstände sein, dass diese jungen, senegalesichen Männer ihr Land, ihre geliebte Familie und vielleicht sogar ihr Leben hinter sich lassen wollen?

Die Situation im Land ist problematisch, da es ein korruptes System gibt, 60% der Bevölkerung sind Anlaphabeten und ca. 60% unter 30 Jahre alt. Eine Zukunft ohne Perspektive - eine, die sie nicht sehen können. Auch die gesundheitliche Versorgung ist bedenklich: kaum sanitäre Anlagen, der Toilettengang findet oft in freier Natur statt und Wasser wird aus dem Brunnen geholt. Kein fließendes Wasser und keine Kühlschränke. Es gibt im Dorf einen Arzt und eine Schwesternschaft, die sich um die Kranken kümmern. Die wenigen Medikamente sind für die meisten unerschwinglich.

Täglich kamen auch zu uns ins Haus Menschen, die um gesundheitlichen Rat oder um Hilfe baten. Sie wussten, dass es in dem Haus der Europäerin medizinische Hilfe gibt (sie bat Freunde, die sie wie ich besuchten, soviel wie nur möglich an medizinischen Materialien mitzubringen). Ihr Haus wurde somit zu einer kleinen Apotheke und einer Arztpraxis. Mal war es eine Schnittwunde, eine Erkältung oder ein Mann, der eine Fischgräte in der Zunge stecken hatte, die mittlerweile von Zungengewebe umspinnt war. Sie alle wollten Rat. Als sie hörten, dass ich Krankenschwester bin, wurde auch ich des öfteren um meine Meinung gefragt. Hier war oft Improvisation angebracht. Es gibt sicherlich für viele Krankheitserscheinungen eine Lösung, aber wie sollen sie diese bezahlen? Das nächste größere Krankenhaus ist in der Hauptstadt, aber die Probleme beginnen bereits mit den Fahrtkosten dorthin.

Ich habe dort einen bewundernswerten jungen Mann kennen gelernt, derfür sein Dorf und Land kämpfen möchte. Er will nicht nach Europa und versucht immer wieder, u. a. auch seinen jüngeren Bruder, von den gefährlichen Bootsfahrten abzuhalten. Er selbst möchte ein Internetcafe in seinem Dorf eröffnen. Er hat gerade ein Filmprojekt laufen (für eine spanische Organisation), das über die Kinder der Fischer und ihre Perspektivlosigkeit erzählen soll. Er hat auch einige Interwievs mit den Familien geführt, die ihre Söhne oder Männer bei der Überfahrt nach Spanien verloren haben. Er selbst hat seine Hoffnung nicht aufgegeben und möchte in seinem Land Veränderung bewirken.

Meiner Meinung nach fängt alles mit Bildung an, denn diese macht einen Menschen unabhängig und mündig. Zugang zu Informationen ist wichtig und die Möglichkeit, sich mit dem Rest der Welt auszutauschen, Handel zu betreiben oder auf sich aufmerksam zu machen. Ich bin Krankenschwester, habe ein Lehramtstudium (Kunst/Deutsch) und möchte gerne eine Ergotherapieausbildung beginnen. Ich würde dann gerne mein Praktikum im Senegal machen, wo ich u.a. mit Kindern arbeiten möchte. Ich wünsche mir bereichernde und nachhaltigeVeränderungen für dieses Dorf. Ich könnte mir vorstellen, ein kooperrierendes Netzwerk in Deutschland aufzubauen, um Kontakte zwischen Menschen aus Deutschland und dem Senegal herzustellen.

Ich freue mich über Fragen, Anregungen und euer Interesse

Senem Merey
klaidoskop@gmx.de

 

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