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Großbritannien: Als Logopädin in Norwich

Bericht von Julia Sauer, miss_kinnie@web.de

 

Großbritannien: Als Logopädin in Norwich

Den Wunsch, in England als Logopädin zu arbeiten, hatte ich schon die letzten Jahre. Als sich das Ende meiner Ausbildung abzeichnete, stellte ich mir die Frage, ob ich nach England gehen solle. Nach einem Gespräch mit einer meiner Lehrlogopädinnen, die mir riet, erstmal ein Praktikum in England als Logopädin zu machen, stand mein Entschluss fest, meinem Wunsch nachzugehen. Da ich nicht wusste, wie ich an Adressen von Praktikumstellen/Logopäden in England kommen würde, habe ich mich den an englischen Logopädie-Verband, Royal College of Speechand Language Therapists, (www.rcslt.org) gewandt. Dort erhielt ich Adressen von Primary Care Trusts, in denen Logopäden arbeiten. 

 
Nach ca. 60 E-Mails, vielen Telefonaten und noch mehr Absagen, erhielt ich dann eine E-Mail vom Primary Care Trust in Norwich, Norfolk, Englandt. „Man könne sich sehr gut vorstellen, dass ich doch eine Zeit lang Praktikum mache und selbst therapiere“, so der Leiter des 50-köpfigen Logopädie-Teams in Norwich. Bingo! Das war genau das, was ich wollte. Nach vielen E-Mails und Telefonaten ging es dann am 6. Oktober gen Norwich.

Gleich am nächsten Tag besuchte mich die stellvertretende Leiterin des Logo-Teams, um mit mir meinen „Timetable“ durchzugehen, der wie folgt aussah: Montags und freitags je Therapien in Kindergärten/Grundschulen in Dörfern unmittelbar von Norwich. Dienstag dann Therapien in einer Schule für Körperbehinderte durchführen und Mittwoch und Donnerstag zusammen mit einer anderen Logopädin Gruppentherapien im Bereich Phonologie leiten. Ich war begeistert von diesem vielfältigen und auf meine Wünsche (Arbeit in der Sonderschule) zugeschnittenen Stundenplan.

Die erste Woche war allerdings die totale Katastrophe. So viele neue Leute, also die Logos, die alle schon meinen Namen kannten, denn ich war ja „the German speech therapist“. Viele neue Kinder, die ich von nun an therapieren sollte. Häufiges Verfahren, da ich nicht ortskundig war und trotz Stadtplan öfters mal nicht direkt in der Schule, in die ich sollte, gelandet bin. Viele neue Therapie- und Diagnostikverfahren. Und nicht zu unterschätzen: da alles auf Englisch! Ganz zu schweigen von meinem Heimweh!

2 Wochen später sah dann die Sache schon anders aus. Ich kannte meine Wege zu den Schulen etc., hatte mir die Namen vieler Logopäden gemerkt und wusste auch, wo ich welches Therapiematerial finden kann. Neben meinen Therapien konnte ich auf Wunsch auch bei Therapien hospitieren. Meine Ansprechpartnerin, eine der leitenden Logos, hatte immer ein offenes Ohr für meine Wünsche und so hatte ich die Gelegenheit, bei Therapien mit autistischen und Down-Syndrom- Kindern zuzuschauen. Logopädisch gesehen lief es also von da an sehr gut und auch Norwich, seine Pubs und die Leute wurden mir vertrauter. So fand ich schnell Anschluss und lernte Norwich bei Nacht kennen.

Im Nachhinein hätte ich ein tolleres Praktikum nicht haben könne. Ich hatte immer einen Ansprechpartner und konnte jederzeit Supervision in Anspruch nehmen. Mein Englisch hat sicher verbessert und auch die englischen Fachtermini bereiten mir keinerlei Probleme. Da es ein unbezahltes Praktikum war, war es allerdings ein recht teures Erlebnis, da ich alles komplettt selbst zahlen musste. Trotzdem war es eine einmalige Erfahrung!

Julia Sauer

miss_kinnie@web.de

 

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